Apple Pay: „In Deutschland gibt es zu wenig iPhones und Kreditkarten“

Apple Pay: „In Deutschland gibt es zu wenig iPhones und Kreditkarten“

, aktualisiert 08. September 2016, 14:37 Uhr
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Der Accenture-Berater sieht für Apple Pay in Deutschland einige Hürden.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

USA, UK, Schweiz – und jetzt auch noch Japan. In vielen Ländern können Kunden bereits mit Apple Pay bezahlen, aber nicht in Deutschland. Warum das so ist und wie Mobile Payment hierzulande doch ein Erfolg werden könnte.

Oliver Hommel ist Zahlungsverkehrsexperte bei der Unternehmensberatung Accenture. Im Interview erklärt er, warum es Apple Pay in Deutschland vorerst nicht geben wird, was eine gute Payment-App bieten muss und welche Erfolgsaussichten Payback Pay hat.

Herr Hommel, Apple hat gerade den Start von Apple Pay in Japan angekündigt, auch in der Schweiz läuft das mobile Bezahlen schon. Was hindert Apple am Markteintritt in Deutschland?
Wer Apple Pay nutzen will, braucht eine Kreditkarte von einer Apple Pay unterstützenden Bank und ein iPhone. Beides ist in Deutschland nicht so weit verbreitetet wie etwa in der Schweiz und in Frankreich, wo der Start auch schon angekündigt wurde. In der Schweiz liegt der Marktanteil von Apple bei etwa 50 Prozent des Smartphone-Marktes. In Deutschland sind es nicht einmal 20 Prozent und nur jeder Vierte hat hier eine Kreditkarte.

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Wäre der Handel schon für Apple Pay gerüstet?
Apple Pay nutzt – wie übrigens der Wettbewerber Android Pay auch – die NFC-Technologie (Near Field Communication). Bei der Infrastruktur im Handel hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan – unter anderem auch durch die Einführung bei den großen Discountern. Schätzungen zufolge sind aber immer noch nur 150.000 von 700.000 Terminals im stationären Handel für Zahlungen mit NFC ausgerüstet. Durch Vorschriften der internationalen Kartenunternehmen Mastercard und Visa, dass aber jedes neu aufgestellte Terminal zwingend NFC unterstützen wird, ist mit einem weiteren raschen Anstieg der Akzeptanzbasis in den kommenden zwei Jahren zu rechnen.


Die Zahlungen laufen über Kreditkarte, welche Rolle spielen die Banken?
Da steht Apple vor einer weiteren Herausforderung. Erst vor Kurzem wurde in der EU die Interchange-Rate, also die Gebühr, die Banken für die Nutzung ihrer Karten von Händlern verlangen dürfen, auf 0,3 Prozent gedeckelt. Das heißt: Sie verdienen an Kreditkartenzahlungen ohnehin kaum noch etwas. Apple selbst möchte aber auch einen Teil dieser Transaktionsgebühren von den Kartenherausgebern haben. Das macht die Zusammenarbeit für die Banken wenig attraktiv – wie man jetzt auch in der Schweiz sieht, wo zunächst nur Nischenanbieter ihre Kreditkarten für Apple Pay freigegeben haben, die großen Banken aber gemeinsam an einer eigenen Alternativlösung arbeiten.

Anfang 2018, mit der Umsetzung der Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2), werden sich die Abläufe stark verändern. Wie kann Apple von der neuen Gesetzgebung profitieren?
Mit der PSD2 werden die Banken und Sparkassen gezwungen, Drittanbietern freien Zugang zu den bei ihnen geführten Konten zu gewähren. Dies bedeutet, dass Dritte in Zukunft im Auftrag des Kunden Zahlungsverkehrsinformationen abrufen und weiterverarbeiten können oder unmittelbar Zahlungen zu Lasten der Konten initiieren können. Dieser Zugang muss diskriminierungs- und kostenfrei bereitgestellt werden. Anbieter ohne Banklizenz wie Fintechs, aber auch Google und Apple können auf dieser Basis neue innovative Dienste entwickeln und den Endkunden anbieten – ohne zum einen selber Konten anbieten zu müssen und auch ohne auf die Kooperation von Kreditinstituten angewiesen zu sein.

Bis dahin dauert es aber noch knapp anderthalb Jahre. Gibt es für Apple Pay in der Zwischenzeit eine Alternative zur Kreditkarte?
Am ehesten wären Debitkarten geeignet, da hier auch die bereits bestehende Akzeptanzinfrastruktur genutzt werden kann. Allerdings besteht hier für die Banken das gleiche wirtschaftliche Dilemma wie bei Kreditarten, so lange Apple eine Transaktionsgebühr vom Kartenherausgeber verlangt. Zum anderen hinkt die Deutsche Kreditwirtschaft (Anm. d. Red.: die Interessenvertretung der fünf kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände) bei der Entwicklung einer kontaktlosen Variante des girocard-System noch etwas den Kreditkartenunternehmen hinterher. Ein lastschriftbasiertes Verfahren wird für Apple Pay hingegen keine Alternative darstellen, da dieses zum einen nicht so einfach international anwendbar ist und zum anderen spezifische Änderungen der Akzeptanzinfrastruktur voraussetzt. Apple wird auch weiterhin eher vorhandene Verfahren integrieren, als eigene neu zu entwickeln.


Die Deutschen nutzen nicht nur wenige Kreditkarten, sondern lieben auch ihr Bargeld. Was müsste mobiles Zahlen bieten, damit es hierzulande Erfolg hat?
Allein eine schicke App und das Versprechen, dass das Bezahlen einfach und schnell funktioniert, werden die meisten Deutschen nicht überzeugen. Interessant werden Bezahl-Apps für viele Kunden erst dann, wenn sie einen Zusatznutzen bieten.

So wie Payback Pay, das im Mai gestartet ist?
Genau, das Bezahlen steht dabei gar nicht im Vordergrund. Die Payback-App gibt es schon seit ein paar Jahren und die Kunden können darüber Punkte sammeln und Coupons aktivieren. Neuerdings wird diese Funktion mit dem Bezahlen kombiniert. Damit könnte Payback einen Durchbruch beim mobilen Bezahlen erzielen.


„Mein Favorit ist ganz klar NFC“

Beim Mobile Payment gibt im Wesentlichen zwei Systeme: NFC und den QR-Code. Welches wird sich durchsetzen?
Mein Favorit ist ganz klar NFC. Im QR-Code werden Daten optisch verschlüsselt dargestellt und können mit Scannern ausgelesen werden. So können etwa die notwendigen Informationen für ein Lastschriftverfahren vom Smartphone an das Kassenterminal übermittelt werden. NFC bietet dagegen die Möglichkeit einer echten bidirektionalen Kommunikation zwischen den Geräten. Dadurch können sich Kassenterminal und Kunden-Device gegenseitig authentifizieren, was die Sicherheit deutlich erhöht und Fälschungsversuche erschwert. Außerdem ist der Einsatz von QR-Codes auch stark von Umweltfaktoren wie zum Beispiel Lichtverhältnissen abhängig. Die Praxis zeigt, dass NFC-Zahlungen schneller, bequemer und zuverlässiger sind.

Aber nicht alle Smartphones sind NFC-fähig.
Aus diesem Grund hat der QR-Code teilweise als Brückentechnologie sicherlich auch seine Daseinsberechtigung – so etwa in der Payback-App. Diese Technik ist auf allen Smartphones sofort verfügbar. Ein weiteres Problem besteht aktuell noch darin, dass iPhones zwar NFC-fähig sind, aber Apple die Funktion nur für Apple Pay freigibt. Für andere Bezahl-Apps ist sie gesperrt – ein Umstand, der in Australien nun aber schon die ersten Wettbewerbsklagen durch Banken hervorgerufen hat.

Wie können diese Probleme gelöst werden?
Damit Mobile Payment zum Massenphänomen wird, braucht es meiner Ansicht nach drei Dinge. Zunächst einen freien Zugang aller Lösungsanbieter zu zentralen Technologien wie der NFC-Schnittstelle in Smartphones. Zweitens Lösungen, die für viele Kunden sofort und ohne zusätzliche Aufwendungen genutzt werden können. Drittens – und am wichtigsten – Lösungen, die mehr sind als eine reine Zahlungsanwendung. Eine solitäre Zahlungsanwendung auf einem Handy bietet zu wenig Mehrwert, um viele Kunden vom Umstieg zu überzeugen.

Herr Hommel, vielen Dank für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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