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Arbeitsmarkt: EU-Kommission will Abitur für Pflegeberufe vorschreiben

von Silke Wettach

Die Anforderungen hätten sich geändert: EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will vorschreiben, dass künftig das Abitur Voraussetzung für bestimmte Gesundheits- und Pflegeberufe ist.

Pflegekräfte auf einer Intensivstation Quelle: dpa
Pflegekräfte auf einer Intensivstation: Veränderte Anforderungen an das Personal Quelle: dpa

Nur wenige Europäer arbeiten außerhalb ihres Heimatstaates. Ein Grund: Bei der Anerkennung von Ausbildungen gibt es unter den EU-Staaten immer noch Probleme. Um solche Hürden aus dem Weg zu räumen, präsentiert EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am 20. Dezember eine Neufassung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie. Die Initiative birgt Sprengstoff, denn Barnier will vorschreiben, dass in der EU künftig nur noch Abiturienten Krankenschwester oder Krankenpfleger sowie Hebamme werden dürfen. Diese Berufe hätten sich in den vergangenen drei Jahrzehnten stark verändert, heißt es in einem Entwurf der Richtlinie, der der WirtschaftsWoche vorliegt.

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„Um solch komplexe Ansprüche der Gesundheitswirtschaft erfüllen zu können, müssen zukünftige Krankenschwestern und Hebammen eine solide Schulbildung aufweisen, ehe sie ihre Ausbildung beginnen“, fordert die Richtlinie. „Deshalb sollten die Eingangsbedingungen auf zwölf Jahre Schulausbildung oder ein erfolgreich absolviertes gleichwertiges Examen angehoben werden.“

Die deutsche Gesundheitsbranche befürchtet, dass Barniers Initiative den Pflegenotstand verschärft und hat bereits Gesundheitskommissar John Dalli eingeschaltet. Er will bei Barnier intervenieren. Doch die Erfolgsaussichten sind gering. „Barnier wird sich durchsetzen“, heißt es in der EU-Kommission. Hinzu kommt, dass Deutschland mit seiner Ausbildung in Europa fast allein steht. 25 der 27 EU-Staaten schreiben schon jetzt eine zwölfjährige Schulzeit als Voraussetzung für Pflegeberufe vor.

Wenig Verständnis zeigt Barnier in seinem Entwurf auch für das duale System der Berufsbildung. Abiturienten, die nach der Schule das höchste europäische Qualifikationsniveau erreichen, sollen um eine Stufe nach unten rutschen, wenn sie danach eine Lehre machen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.12.2011, 08:42 UhrAnonymer Benutzer: JeremiasCornelius

    In Frankreich machten 2009 66,4 aller Schüler Abitur.

    "Drei Kategorien von Oberschulen gibt es in Frankreich, und alle enden mit dem Abitur. Selbst ein Abschluss, der dem einer deutschen Berufsschule entspricht, nennt sich Abitur ..." (Einheitsschule in Frankreich http://www.focus.de/schule/schule/unterricht/ausland/tid-10906/einheitsschule-in-frankreich-etikettenschwindel-betrug-mit-dem-abitur_aid_314053.html).

    12 Jahre Schulzeit sind sicher sinnvoll - insbesondere in einem Land, in dem das Abitur nicht die Hochschulreife bestätigt, in dem Elite- und Privatschulen als Muss für spätere Karrieren angesehen werden und in dem die Schulzeit so gut bzw. schlecht auf das Studium vorbereiten, dass je nach Studienfach 50 - 90 % im ersten Studienjahr durchfallen. In einem Land, in dem das Abitur manchmal ein Lernniveau bescheinigt, das kaum über der mittleren Reife liegt.

    Der Frankozentrismus französischer Politiker ist sicher zum Kotzen. Aber wir haben eigene Politiker - wenn die den deutschen Weg nicht verteidigen, werden sie vielleicht Gründe haben.

    Egal, 12 Jahre Schulpflicht würden der Pflege nicht schaden, nutzen aber sicher auch nicht, denn die Unatraktivität und Flucht aus dem Pflegeberuf sind die aktuellen und zukünftigen Probleme und die haben andere Gründe und die sind mit 12 Jahren Schule als Grundvoraussetzung und Akademisierung der Pflege nicht zu stoppen.

    Die Motivation zur Berufswahl, die Gründe warum ich als Pfleger MIT Abitur vor Jahren den Beruf ergriffen habe, hat die Realität der letzten Jahre längst abgeschliffen. Übriggeblieben ist nur der Frust über das niedrige Gehalt, die hohe Arbeitsbelastung (emotional und körperlich),der Ärger über die eigene Berufsgruppe, die sich nicht um sich selbst kümmert und die Angst vor vorzeitiger Arbeitsunfähigkeit und Altersarmut.

  • 14.12.2011, 16:08 UhrAnonymer Benutzer: sali

    Es ist nicht richtig, die Qualifikationen der Pflegenden zu stoppen oder niedrig anzusiedeln. Gerade hinsichtlich der rechtlichen Problematik, der wissenschaftlichen Grundlagen und der Qualität in der Arbeit, müssen wir gute Fachkräfte haben.
    Das ist nur zu erreichen mit einer guten Ausbildung, mit einer Aufwertung der Berufe, einem besseren Image, den damit werden diese überhaupt noch interessant. Und sie müssen dementsprechend eine "angemessene Bezahlung" erhalten.
    Wir können nicht mehr wie einst, die Unqualifiziertesten in die Pflege lassen, weil wir niemanden mehr finden, der es machen will. Unsere alternde Gesellschaft braucht mehr Pflegekräfte denn je. Oder möchten Sie später im Alter oder am Krankenbett von jemandem versorgt werden der wenig Wissen und Kenntnisse über das Krankheitsbild hat, wenig über alten gerechte Versorgung weiß? Ich würde gern in diesen Lebenssituation, oft ausgeliefert, entsprechend gut versorgt werden.
    Überdenken sollte man eher, ob den qualifizierte Kräften mehr Hilfskräfte zur Unterstützung gestellt werden, damit sie sich um die Pflege kümmern. Putz- und Aufräumarbeiten, so wie andere Tätigkeiten müssen nicht von qualifizierten Kräften geleistet werden.
    Sali

  • 12.12.2011, 18:49 UhrAnonymer Benutzer: morgehan

    Herr Michel Barnier scheint wirklich nicht viel Ahnung zu haben, wenn er nicht viel vom deutschen dualen Ausbildungssystem hält. Schließlich ist die deutsche Wirtschaft bislang damit an die Weltspitze vorgestoßen. Das in vielen Ländern übliche System der Vewrschulung führt doch zu erschreckenden Ergebnissen in der Praxis. Die Überbewertung der Schulen - wo ja üblicherweise Leute unterrichten die, die Praxis nicht gut kennen - sonst wären sie ja nicht Lehrer sondern würden sich in der praktischen Berufsausübung profilieren. Am besten das griechische Ausbildungssystem übernehmen, das hat sich ja bewährt! HM

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