Archäologie: Mit Pferdemist auf Hannibals Spuren

Archäologie: Mit Pferdemist auf Hannibals Spuren

, aktualisiert 02. Mai 2016, 11:16 Uhr
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Das Forscherteam will Belege dafür gefunden haben, dass der antike Feldherr Hannibal mit seinem Heer hier über die Alpen nach Italien gezogen war.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit Kriegselefanten und zehntausenden Soldaten überquerte der Feldherr Hannibal einst die Alpen. Die genaue Route ist allerdings umstritten. Nun wollen Forscher den Weg rekonstruiert haben - anhand von Pferdemist.

New YorkWohl kaum ein Kriegszug fasziniert die Menschheit heute noch so wie Hannibals Alpen-Überquerung. Mit zehntausausenden Soldaten und Pferden sowie 37 Kriegselefanten marschierte der karthagische Feldherr um 218 vor Christus ins heutige Italien ein. Dort kämpfte er mehrere Jahre lang gegen Rom, musste sich am Ende aber zurückziehen.

Die Alpen-Überquerung gilt aber bis heute als logistische und taktische Meisterleistung, hatten die Römer doch nicht damit gerechnet, dass Hannibal den beschwerlichen Weg über die Berge wählen würde. Noch heute sind Wissenschaftler begeistert von dem Schachzug – aber auch verwirrt, denn wo genau Hannibals Tross entlang zog, ist auch nach mehr als 2000 Jahren Forschung, Diskussion und Streit immer noch nicht geklärt.

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Jetzt glaubt ein Team von Forschern rund um den Geologen Bill Mahaney von der kanadischen York Universität in Toronto, die Streitfrage beantworten zu können. „Unser internationales Team hat endlich solide Beweise für die wahrscheinlichste Transitroute erbracht“, schreibt Mikrobiologe Chris Allen von der Queens Universität im nordirischen Belfast in einer Zusammenfassung der Studie.

Das Ergebnis: Hannibal kam demnach wohl über den Col de la Traversette. Dieser fast 3000 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Pass liegt an der französisch-italienischen Grenze, südöstlich von Grenoble und südwestlich von Turin.

Fanden die Forscher Hannibals Pferdetränke?

An einem kleinen See am Rand des Alpen-Passes fanden die Forscher eine große Menge alter Kotreste, möglicherweise von Pferden. Die Überreste konnten die Wissenschaftler auf etwa 200 vor Christus datieren.

„Das ist eine der wenigen Stellen in der Gegend, die zum Tränken großer Tiergruppen benutzt werden konnte“, schreibt Allen. „Sie wurde bei geologischen Expeditionen in die Gegend entdeckt und entspricht Beschreibungen von dem Terrain, durch das Hannibal zog.“

Diese Beschreibungen stammen hauptsächlich von den antiken Geschichtsschreibern Polybios und Titus Livius, die selbst nicht Teil von Hannibals Tross waren, aber möglicherweise mit Augenzeugen beziehungsweise deren Nachfahren gesprochen hatten. Auf Basis hauptsächlich dieser Quellen hatten die meisten Wissenschaftler bislang zu drei möglichen Routen tendiert: Neben dem Col de Traversette waren das noch zwei weiter nördlich und weniger hoch gelegene Pässe, der französische Col de Montgenèvre und der Col de Clapier zwischen Frankreich und Italien.


Warum wählte Hannibal die schwierigere Route?

Der Col de Clapier war bislang der Favorit der Wissenschaftler, da er ziemlich genau auf die Beschreibungen von Titus Livius zu passen schien. Forscher hatten den Pass auch schon mit Elefanten überquert – erfolgreich. Archäologische Beweise waren aber bislang ausgeblieben.

„Möglicherweise waren die Berichte von Titus Livius eher Fiktion als Fakt“, schreibt Allen, der jetzt den Col de Traversette als Route Hannibals ausgemacht haben will. „Warum Hannibal die schwierigere Traversette-Überquerung ausgewählt hat? Darüber können wir im Moment nur spekulieren.“ Möglicherweise habe der Feldherr keine Wahl gehabt, weil andernorts feindliche Bergstämme lauerten.

Abgeschlossen sei der Beweis seines Forscher-Teams aber noch nicht, warnt Allen. Mit genauerer Gen-Analyse der Bakterien in dem antiken Kot müsse erst noch nachgewiesen werden, dass er wirklich von Pferden oder Menschen stamme. Das könne noch eine Weile dauern.

Trotzdem sorgt die im Fachmagazin „Archaeometry“ veröffentlichte Studie des Forscherteams in der Wissenschaftswelt schon jetzt für Wirbel. „Wenn die Beweise in der Studie wirklich auf das dritte Jahrhundert vor Christus zurückzuführen sind, dann sind das fantastische Nachrichten“, sagt die Archäologin Eve McDonald von der britischen Universität Reading, die im vergangenen Jahr ein Buch über Hannibal veröffentlichte.

Aber auch McDonald mahnt zu Vorsicht und Geduld. „Solange es keinen eindeutigen Beweis gibt, dass die Hinterlassenschaften aus dieser Studie wirklich von Hannibal und seiner Armee stammen, solange wird die Frage weiter diskutiert werden.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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