„Aggressiver auftreten“

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Carlyle-Gründer David M. Rubenstein über Private Equity, Hedgefonds und Investitionen in Deutschland. 

Herr Rubenstein, was unterscheidet einen Firmenkauf in Deutschland von einem Firmenkauf in den USA? 

In Amerika gibt es einen breiten Konsens, dass man den größten Wert schafft, wenn man ein Unternehmen in die Lage versetzt, möglichst hohe Gewinne zu machen. Diese Einstellung führt in Deutschland zu Problemen. Hier gibt es verständlicherweise Vorbehalte dagegen, dass einige Leute mit Firmen Geld verdienen, in denen sie andere entlassen. Wenn wir hier investieren, versuchen wir, Unternehmen zu kaufen, bei denen wir keine Standorte schließen oder Mitarbeiter entlassen müssen. 

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Das schreckt Sie aber nicht ab, weiter hier zu investieren? 

Deutschland ist meiner Meinung nach einer der attraktivsten Standorte in der Welt, um Unternehmen zu kaufen. Ihr Land hat eine breite industrielle Basis, eine gut ausgebildete Bevölkerung, ein gutes Bankensystem und gute Manager. 

Warum haben Sie dann bisher in Deutschland relativ wenig Geld investiert und wenn, dann in relativ kleine Unternehmen? 

Wir sind in Deutschland sehr oft von Wettbewerbern überboten worden. Carlyle ist ein extrem disziplinierter Investor. Wir haben in 18 Jahren 425 Firmen gekauft. Weniger als fünf Prozent unserer Investments haben nicht funktioniert. Wir dachten oft, dass unsere Wettbewerber für Firmenkäufe in Deutschland zu viel zahlen. Inzwischen wissen wir, dass wir falsch lagen. Die Preise sind einfach immer weiter nach oben gegangen. Im Nachhinein wünschte ich, wir hätten einige dieser Firmen gekauft. In Zukunft kann es sein, dass wir hier etwas aggressiver auftreten werden. Aber Sie dürfen nie vergessen: Das größte Problem im Beteiligungsgeschäft ist nicht, einen Deal zu verlieren, sondern ein Fehlinvestment zu machen. Wir haben in Deutschland kein Geld verloren. 

Aber das große Geld haben Sie hier bisher auch nicht verdient. In den USA waren die Renditen bisher deutlich besser. 

Wir haben in der Vergangenheit pro Jahr 34 Prozent Rendite auf unseren Einsatz verdient. Das ist schwer zu wiederholen. Und Menschen investieren in ihrem eigenen Land meist besser als in einem anderen Land. 

Warum investieren Sie dann überhaupt im Ausland? 

Selbst wenn die Renditen nicht ganz so hoch sein sollten wie zu Hause, kann es doch immer noch attraktiv sein. Wenn wir in Asien beispielsweise 25 Prozent jährliche Rendite erzielen, ist das doch nicht schlecht. 

Viele glauben, dass man mit Investments in Europa in den nächsten Jahren mehr verdienen kann als in den USA. 

Das glaube ich nicht. Europa ist mit Abstand der wettbewerbsintensivste Private-Equity-Markt der Welt. Deshalb sind die Preise auch höher als in Amerika. Noch dazu sind die Renditen im Buyout-Geschäft zum Teil abhängig vom wirtschaftlichen Wachstum der Region. Das ist in Europa eher schwächer als in den USA. Aus dem Grund halte ich es für schwierig, hier höhere Renditen zu schaffen als in den USA. Aber es ist nicht unmöglich. 

Zu den vielen Finanzinvestoren im Markt sind inzwischen auch wieder die strategischen Käufer gekommen, die Ihnen Unternehmen wegschnappen. 

Das stimmt. In Deutschland haben wir beispielsweise das Verfahren um den Getriebehersteller Flender gegen Siemens verloren. 

Und den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen dürften Sie wohl an MAN verlieren. 

Wir geben nicht auf, bevor es nicht entschieden ist. Aber es besteht kein Zweifel, dass die Rückkehr der Strategen das Leben für Private-Equity-Firmen nicht leichter gemacht hat. 

Carlyle hat gerade acht Milliarden Dollar für den neuen US-Buyout-Fonds eingesammelt. Wie wollen Sie die bisherigen Renditen in Zukunft sichern? 

Wir können nicht garantieren, dass wir die gleichen Ergebnisse erzielen wie in der Vergangenheit. Aber in der Buyout-Welt ist der beste Indikator für zukünftige Renditen das Ergebnis der Vorgängerfonds. Außerdem machen wir uns nicht strafbar, wenn wir nicht das komplette Geld investieren. Sollten wir nicht genügend interessante Übernahmemöglichkeiten finden, geben wir einen Teil des Geldes eben zurück. 

Wie oft konkurrieren Sie in den USA schon mit Hedgefonds um Unternehmensübernahmen? 

Ungefähr in 10 bis 20 Prozent der Fälle, würde ich sagen. Meistens treten Hedgefonds heute aber nicht als zukünftige Eigentümer, sondern als Geldgeber für Übernahmen auf. Oder sie agieren als Co-Investoren, wenn Private-Equity-Fonds für Übernahmen zusätzliches Eigenkapital brauchen. 

Warum startet Carlyle jetzt einen eigenen Hedgefonds? 

Wir wollen unseren Investoren mehr Anlagemöglichkeiten bieten. Außerdem sind Hedgefonds in ihrer Vorgehensweise flexibler. Die Anlageklassen wachsen ohnehin zusammen. Deshalb wird es irgendwann nur noch alternative Anlagefonds geben, die mit allen möglichen Investmentstrategien möglichst hohe Renditen erwirtschaften wollen. 

brigitte.haacke@wiwo.de 

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