Aktivist wittert Morgenluft

Archiv: Aktivist wittert Morgenluft

Robert Klein gehört zu jener Sorte Mensch, die von ihrer Aufgabe besessen ist – und das auch unverhohlen zeigt. Noch ist der Präsident des kalifornischen Instituts für regenerative Medizin in San Francisco außerhalb der USA nahezu unbekannt. Doch das dürfte sich ändern. Klein kämpft gegen Wissenschaftsfeindlichkeit, gegen das Mittelalter im 21. Jahrhundert und die gegenwärtige US-Regierung. Zu seinen Gegnern zählen unberechenbare Fanatiker und mächtige Politiker. Falls der schmächtige Mann Angst hat, verbirgt er sie jedenfalls geschickt. 

Wie der Kampf ausgeht, hat Auswirkungen weit über Kalifornien und die USA hinaus. Der Finanzexperte wacht über drei Milliarden US-Dollar, die der Staat Kalifornien über zehn Jahre hinweg über Schuldverschreibungen in die Stammzellenforschung investieren will. Das Gros der weltweiten Biotech-Forschungskapazitäten konzentriert sich hier. Kalifornien hofft dadurch auf einen neuen Biotech-Boom mit tausenden hoch bezahlten und sicheren Arbeitsplätzen. Klein erwartet wirksame Medikamente und Therapien, auch für seinen 15-jährigen Sohn Jordan, der an schwerer Diabetes leidet. 

Anzeige

Jordans Schicksal hat den Vater zum Stammzellenforschungs-Aktivisten gemacht. Klein ist Verfasser der Forschungsinitiative, der im November 2004 knapp 60 Prozent der Kalifornier zustimmten. Ein Erfolg, der viele überraschte. Es war die Reaktion auf die Entscheidung von US-Präsident Bush, Bundesmittel für Forschung an neuen Stammzellenkulturen zu verweigern. Im Wahlkampf erinnerte Klein die Kalifornier daran, dass sie in den Achtzigerjahren schon Aids-Studien finanzierten, während die US-Regierung noch die Gelder verweigerte. 

Doch seit jenem Triumph fühlt sich Klein wie ein Rennpferd im Stall. Gegner mit ähnlich missionarischem Eifer, die Experimente an Stammzellen als unethisch empfinden, blockieren die Ausgabe der Schuldverschreibungen mit juristischen Störmanövern. Dass Klein kürzlich erste Gelder – zwölf Millionen Dollar – herausgeben konnte, verdankt er der Unterstützung von Philanthropen wie dem Intel-Gründer Gordon Moore. Nach einem ersten Etappensieg vor Gericht wittert Klein Morgenluft: „Wir schreiben Geschichte – das braucht Zeit.“ 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%