Archiv: Alles im Griff

Internet » China verschärft die Aufsicht über das Internet und stößt damit internationale Investoren ab. 

Fang Xingdong wähnte sich auf dem besten Weg, ein Vermögen zu machen. Noch dieses Jahr wollte der chinesische Internetunternehmer sein Blog-Portal Bokee.com an die New Yorker Börse bringen. Doch nun gerät er in Bedrängnis. Bisher galten für Chinas Internettagebücher und Chatrooms weit reichende Freiheiten. Die Regierung beschäftigte zwar Zensoren und drängte die Betreiber von Web-Sites, Aufseher einzustellen, die missliebige Artikel aufspürten und löschten, doch die Benutzer blieben meistens unbehelligt. Nun jedoch ist jeder Chinese, der unerlaubte Nachrichten verbreitet, direkt verantwortlich, wobei die Regierung unter Nachrichten alle „Berichte und Kommentare zu politischen, wirtschaftlichen, militärischen, internationalen und sozialen Themen“ versteht. Die Strafen liegen bei umgerechnet 3070 Euro, in schweren Fällen drohen die Schließung der Web-Site sowie Gefängnis. Damit verschärft Peking innerhalb weniger Monate zum zweiten Mal die Internetgesetze. Bis Ende Juni mussten sich alle chinesischen Web-Sites offiziell registrieren lassen. Betreiber und Nutzer haben sich darauf eingestellt. „Bei uns schreiben die meisten Menschen nur über ihr eigenes Leben“, sagt der Bokee-Chef, „zu Nachrichten äußern sich nur die wenigsten.“ Allerdings sind auch bei Bokee rund um die Uhr zehn Mitarbeiter im Einsatz, um unerwünschte Einträge zu löschen oder bei kritischen Diskussionen einzuschreiten. AufGrund der neuerlichen Verschärfung der Internetvorschriften fürchten internationale Investoren, die sich in Chinas Internetmarkt engagieren, um ihren guten Ruf. Yahoo war in den vergangenen Wochen ins Kreuzfeuer internationaler Kritik geraten, weil das US-Unternehmen Belastungsmaterial über einen Benutzer in China an die chinesische Staatsanwaltschaft weitergegeben haben soll, der daraufhin zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Yahoo verteidigte sich damit, man müsse sich in jedem Land an die dort herrschenden Gesetze halten. Auch Microsoft und Google mussten sich in China verpflichten, ihre chinesischen Internetseiten auf Reizwörter wie „Falun Gong“ oder „Demokratie“ zu durchsuchen. Mit derzeit 103 Millionen Internetbenutzern, 45 Millionen Netzanschlüssen und 700 000 registrierten Blogs gilt China als größter Zukunftsmarkt der Branche. Die Zuwachsrate liegt bei jährlich knapp 20 Prozent. 

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frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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