Archiv: Ambitionierte Macher

Europäische Jungunternehmer haben nicht den besten Ruf in den USA. Sie gelten als risikoscheu, zu nachgiebig und oft unwillig, Mitarbeiter am Erfolg zu beteiligen. Dabei sehen US-Investoren genau darin ein wichtiges Mittel, um die Produktivkraft eines Unternehmens zu schüren. Stolz sind die Amerikaner darauf, dass die Unternehmerquote in ihrem Land rund elf Prozent beträgt, während sie in Europa bei etwa vier Prozent dümpelt. Doch auf Konferenzen erkundigen sich US-Wagnisfinanzierer neuerdings auffällig nach europäischen Jungunternehmen. Sie haben vor allem Internetgründer im Visier. Den Funken gezündet haben die Skandinavier Niklas Zennström und Janus Friis. Der Verkauf ihres Internettelefonunternehmens Skype an Ebay und der fette Gewinn für ihre Finanzierer Bill Draper und Howard Hartenbaum haben das Image der Europäer aufpoliert. Die US-Journalistin Chris Shipley, die Mitte Mai im spanischen Saragossa zum zweiten Mal die Startup-Messe Innovate veranstaltet, hat in den vergangenen Wochen rund 60 europäische Gründer getroffen. Sie war von deren Professionalität und Selbstbewusstsein beeindruckt. Die neue Hochachtung trifft auf Jungunternehmer aus Deutschland aber nur bedingt zu. Hier, meint Internetunternehmer und Ex-Portum-Gründer Gerald Heydenreich, gebe es zwar viele Ideen. Aber es gelinge zu selten, erfahrene Leute ins Management zu holen, die den Gründern helfen. Das gelte besonders für Internetstartups. 

Es gibt aber Gegenbeispiele, die Hoffnung machen. Gerade haben die Hamburger Internetmarketingexperten John Grøtting und Sebastian Sauter gegen starke US-Konkurrenz den Etat für den Web-Auftritt des US-Trickfilmgiganten Dreamworks gewonnen. Wer dessen perfektionistischen Studioboss Jeffrey Katzenberg kennt, weiß, wie hoch der Erfolg einzuschätzen ist. Nach dem Zuschlag wollen Grøtting und Sauter ihr Unternehmen von vier auf 60 Beschäftigte aufstocken und weltweit expandieren. Ihr Aufstieg erinnert an den der kleinen Berliner Agentur International, die von Coca-Cola den Auftrag erhielt, einen großen Werbespot zu produzieren. Von solch ambitionierten Machern braucht Deutschland mehr – nicht nur des Images wegen. 

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