Archiv: Asiatenvorn

OECD » Die Mitgliedsländer ringen um die Nachfolge des Generalsekretärs Donald Johnston. 

Donald Johnston, der kanadische Generalsekretär der OECD, verlässt zwar erst im Mai 2006 seinen Posten in Paris, doch er bemüht sich bereits, die Weichen für seine Nachfolge zu stellen. Nach drei Europäern in diesem Amt sowie einem Nordamerikaner sei es an der Zeit, einen Asiaten an die Spitze zu setzen, schlug er vor. Zu entscheiden hat Johnston in dieser Frage allerdings nichts, das ist Sache der 30 Mitgliedstaaten, die vom September an die Kandidaten auf Herz und Nieren überprüfen und bis 1. Dezember ihre Wahl treffen wollen. Auf Kompetenz, so weiß ein Kenner der Organisation, komme es dabei nicht an – „die Nationalität entscheidet“. 

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Sechs Bewerber sind im Rennen: aus Polen Ministerpräsident Marek Belka, aus Australien der Wissenschaftler  Allan Fels, aus Mexiko Ex-Finanzminister Angel Gurria, aus Südkorea der frühere Vizepremier Han Seung-soo, aus Frankreich Ex-Finanzminister Alain Madelin und aus Japan die Wirtschaftswissenschaftlerin Sawako Takeuchi. Japan gilt zwar als Favorit für die Besetzung des Generalsekretärspostens, doch die von Tokio ins Rennen geschickte Kandidatin wird trotz ihres Ansehens in Fachkreisen allgemein als politisches Leichtgewicht und damit als chancenlos angesehen. Die Lage könnte sich jedoch nach den Wahlen in Japan ändern. Wenn sich dann möglicherweise einige hochkarätige Politiker neue Aufgaben suchen müssen, könnte Tokio einen Kandidaten aufstellen, der wahrscheinlich sogar glatt von den USA akzeptiert würde. 

Vordringliches Ziel des neuen Generalsekretärs ist die Öffnung der OECD für Länder wie Russland, China und Brasilien. Daher könnte auch der Kandidat aus Mexiko besonderen Reiz haben, da dies ein Signal an die Schwellenländer wäre. Keine Chance hingegen besitzt der französische Kandidat, denn Frankreich hat schon zwei Posten im internationalen Finanz- und Wirtschaftsbereich: Pascal Lamy als Chef der Welthandelsorganisation WTO und Jean Lemierre als Chef der Osteuropabank. 

Allerdings haben OECD und ihr Generalsekretär an Bedeutung verloren. Vorbei sind die Zeiten, als in der Pariser Organisation der Wirtschaftskurs der westlichen Industrieländer ausgefochten wurde. Inzwischen konzentriert sie sich auf die Verhinderung von Drogenschmuggel und auf die Entwicklung der Dritten Welt. 

friedrich.thelen@wiwo.de | Berlin, 

gerhard.bläske | Paris 

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