Badische Schlammschlacht

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EnBW » Vorstandschef Utz Claassen geht gegen den Vorwurf der Bilanzfälschung in die Offensive. 

Einige Wochen hat Utz Claassen schweigend erduldet, wie die Negativschlagzeilen über ihn einprasselten. Nachdem nun aber sogar die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bilanzfälschung gegen ihn ermittelt, geht der Vorstandschef der EnBW Energie Baden-Württemberg in die Offensive. Sein Stab arbeitet auf Hochtouren. Von früh bis nachts um drei werden Akten gewälzt, mitternachts noch die Vorstände per Telefon zusammengeschaltet – mit Erfolg. Claassens Juristen fanden angeblich Aussagen, die der ehemalige Finanzvorstand Bernd Bal-zereit auf einer Vorstandssitzung im Mai 2003 geäußert haben soll: „Das Ergebnis der EnBW für das Jahr 2002 war im Hinblick auf nicht bilanzierte Risiken zu positiv bewertet. Dies war politisch so gewollt, und die Betriebswirtschaft unter Herrn Goll war entmündigt.“ 

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Damit erhofft sich Claassen Entlastung in der badischen Schlammschlacht um die EnBW-Bilanzen zwischen ihm und seinem Vorgänger, Gerhard Goll . Ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Mai 2003 kündigte Claassen einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro an. „Altlasten“ und „Einmaleffekte“ hätten das Ergebnis belastet. 

EnBW-Aktionäre zeigten daraufhin Goll an. Waren Beteiligungen von ihm zu hoch bewertet worden? Der Vorwurf: Goll hatte weit überteuert Anteile an den Stadtwerken Düsseldorf gekauft – für rund 450 Millionen Euro. Im Juni 2003 wertete Claassen diese Beteiligung (um 208 Millionen Euro) und andere ab – laut interner Belege mit dem O.K. der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC).Im März dieses Jahres verkündete der 41-jährige Honorarprofessor für Controlling die Wende: der Schuldenstand sei halbiert, der Gewinn schoss hoch auf 707 Millionen Euro. Zu schnell für viele Aktionäre, die erneut Unrecht witterten – jetzt durch Claassen. 

An Gegnern fehlt es ihm nicht, hatte er doch Beteiligungen abgestoßen, Sponsoren-Verträge gekündigt, Personal ab- und das Management umgebaut. 

In seinem Umfeld heißt es, der bekennende Cola-Light-Trinker und Fast-Food-Fan werde seine nächste Aufgabe in den USA finden. An diesem Freitag muss er aber erst einmal die Hauptversammlung überstehen. 

d.delhaes@wiwo.de, a.wildhagen 

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