Archiv: Bangen im Elbtal

AMD » Vom Ausgang der Monopolklage gegen Intel hängt auch das Schicksal der ostdeutschen Jobs ab. 

Auf einem Empfang in New York schwärmte AMD-Chef Hector Ruiz Mitte Juni, die zweite Fabrik des amerikanischen Chipherstellers in Dresden erreiche „beispiellose Effizienzgrade“. Die Deutschen seien ihr Geld wert, sie seien hervorragend ausgebildet, ihr Arbeitseifer vorbildlich. Doch die Einschätzung des AMD-Chefs könnte sich schnell ändern. Verliert er die Wettbewerbsklage gegen den Konkurrenten Intel, büßen die Jobs an der Elbe ihre Attraktivität ein. 

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Derzeit telefoniert Ruiz die Prominenten der PC-Branche ab, darunter die ehemalige Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina, ihren Ex-Kompagnon Michael Capellas, Dell-Aufsichtsratschef Michael Dell,  dessen Vorstandsvorsitzenden Kevin Rollins und Sun-Chef Scott McNealy. Sie sollen dem AMD-Chef helfen zu beweisen, dass Intel seine Marktmacht missbraucht. Seit Ruiz im April 2002 den AMD-Chefposten von Jerry Sanders übernahm, hat er das Unternehmen zum Technologieführer getrimmt. Dennoch hat AMD nur wenige Marktanteile gewonnen. Laut Marktforscher Mercury Research dominierte Intel den Markt für Computerprozessoren im ersten Quartal 2005 mit 81,7 Prozent, während AMD auf 16,9 Prozent kam. Im Notebookgeschäft konnte AMD zwar auf zehn Prozent zulegen, doch Intel hält fast 90 Prozent. „Der einzige Grund, weshalb wir keinen größeren Marktanteil haben, sind Intels illegale Monopolpraktiken“, begründet Ruiz seine Klage. Intel weist den Vorwurf zurück. Nun soll das Gericht im US-Bundesstaat Delaware den Streit klären. Bei einem Sieg will AMD Schadensersatz in Milliardenhöhe verlangen, bei einer Niederlage muss das Unternehmen seine Kalkulation überdenken. Dann dürfte es ihm schwer fallen, künftige Investitionen in Anlagen in Deutschland zu rechtfertigen, zumal das Wachstumspotenzial ohnehin in Asien am größten ist. 

Bisher beschäftigt AMD im Dresdner Elbtal 2500 Mitarbeiter. Weitere 500 Jobs sollen bis Ende 2007 dort entstehen, bis zum Sommer 2006 will Ruiz sogar über den Bau einer dritten Fabrik entscheiden – hieß es vor dem Gang zum Gericht. Inzwischen hat AMD bei der Bundesregierung eine Exporterlaubnis für Produktionstechnik beantragt, die in Dresden entwickelt wurde. 

matthias.hohensee@wiwo.de |Silicon Valley 

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