„Befehl des Kaisers“

Archiv: „Befehl des Kaisers“

Chen Xianglin » Der Chef des VW-Partners SAIC über Probleme mit den Deutschen 

Herr Chen, der chinesische Automarkt wächst in diesem Jahr um zehn Prozent. Doch der einstige Superstar Shanghai Volkswagen, Ihr Joint Venture mit VW, muss die Produktion drosseln. Warum? 

Nach den rapide gestiegenen Autozulassungen der vergangenen Jahre hat die Regierung in Peking ihre Politik plötzlich geändert und beschränkt die Vergabe von Krediten für den Autokauf. Das trifft auch Shanghai Volkswagen, weshalb wir die Produktion in diesem Jahr um schätzungsweise 20 Prozent drosseln. Da wir aber noch 40 000 Autos aus dem Vorjahr auf Halde haben und diese nun verkaufen, können wir dieses Jahr 250 000 Autos absetzen, ungefähr so viele wie im vergangenen Jahr. 

Anzeige

Andere Hersteller verkaufen mehr Autos, auch Ihr JointVenture mit General Motors. 

Das ist richtig. Shanghai General Motors entwickelt sich sehr schnell und dürfte in diesem Jahr mehr als 300 000 Autos verkaufen. Damit wird das Unternehmen die Nummer eins in China vor Shanghai Volkswagen. 

Und das, obwohl Shanghai Volkswagen ein ganzes Jahrzehnt mehr China-Erfahrung hat! 

GM legt bei uns laufend neue Modelle auf. Der Produktentwicklungszyklus, ob nun Cadillac, Buick oder Chevrolet, läuft bei Shanghai General Motors viel schneller als bei VW. Im Vergleich dazu bietet Shanghai Volkswagen eine veraltete Produktpalette an. GM trifft denn auch viel besser als VW den Geschmack der chinesischen Kunden, die ständig etwas Neues wünschen, und entsprechend verkauft das Unternehmen mehr Autos. 

Warum bringt Shanghai Volkswagen nicht auch schneller neue Produkte auf den Markt? 

Das ist ein grundsätzliches Problem. GM hat in Shanghai ein eigenes Technikzentrum aufgebaut, das sich speziellauf die Bedürfnisse des chinesischen Marktes konzentriert. VW will die Entwicklung kontrollieren und belässt sie deshalb in Deutschland. 

Volkswagen will offenbar sein Entwicklungs-Know-how nicht preisgeben. 

Das ist eine sehr defensive und konservative Einstellung und passt nicht mehr in eine Zeit, in der die Konkurrenz am chinesischen Automarkt immer härter wird. 

Wie kann Shanghai Volkswagen wieder die Nummer eins in China werden? 

So wie sich die Manager von GM und SAIC regelmäßig treffen und sofort über Maßnahmen im Bereich Entwicklung und Produktion entscheiden, so müssen das auch Volkswagen und SAIC machen und nicht mehr den monatelangen Umweg über Wolfsburg gehen. Wir haben dafür ein Sprichwort: Im Krieg kann der General nicht auf den Befehl des Kaisers warten. 

Wann wird VW umdenken? 

Die Widerstände sind noch immer groß. Immerhin hat Wolfsburg jetzt in Peking die VW Group China eingerichtet, die einfachere Entscheidungen nun in China treffen soll. Also ein Hoffnungsschimmer. 

Und was ist im Bereich der Produkte geplant, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen und Shanghai General Motors wieder zu überholen? 

Wir wollen auf der Basis der vorliegenden Plattformen die Entwicklung von Karosserie und Inneneinrichtung selbst in die Hand nehmen, beschleunigen und an den chinesischen Geschmack anpassen. 

Geht es etwas genauer? 

Unser Ziel ist, zum einen in den Städten preiswerte Autos für Privatpersonen anzubieten und zum anderen eine neue Zielgruppe in den ländlichen Gebieten mit robusten, nutzwertigen Fahrzeugen zu erschließen. Dies wollen wir auf der Basis des Golf und des Polo anpacken. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen wir aber die Kosten in den nächsten fünf Jahren um 40 Prozent senken. 

Wie wollen Sie das schaffen? 

Indem wir den local content, also den chinesischen Anteil an der Wertschöpfung, von 70 auf 90 Prozent erhöhen, mehr ei-gene Entwicklung betreiben und alle Entscheidungsrechte auf Shanghai Volkswagen übertragen. 

christian.ramthun@wiwo.de I Berlin 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%