BERT RÜRUP Vorsitzender des Sachverständigenrates

Archiv: BERT RÜRUP Vorsitzender des Sachverständigenrates

Mit aller Macht hat sich Bert Rürup als neuer Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu Wort gemeldet und allen Aufschwungshoffnungen der Regierenden widersprochen: Nur ein Prozent werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wachsen, nicht 1,6 Prozent, wie Rot-Grün schätzt. Was die Konjunktur voranbringt, wird der Rat unter Rürups Leitung in einer Expertise für eine Unternehmensteuerreform erläutern. Seit 2000 gehört der Finanzwissenschaftler dem Rat an, den er selbst als „Champions League“ anpreist, seit Dienstag ist Rürup dort die Nummer eins. Sein Doppelgänger könnte Kabarettist und Professoren-Imitator Piet Klocke sein: krauses Haar, abgehackte Handbewegungen und manches Mal gedankliche Kapriolen in einem Satz. Rürup aber ist trotz seiner professoralen Art keineswegs vergeistigt, sondern prägnant, realistisch – und erfolgreich. Das SPD-Mitglied beriet schon die Regierung Kohl zur Rentenreform, und auch Rot-Grün zeigte er mit der nach ihm benannten Kommission Wege aus der demografischen Falle. In der Gesundheitspolitik kreierte Rürup die Kopfpauschale, das Gegenmodell zur SPD-Idee einer Bürgerversicherung. Das politisch Mögliche entwirft er in seinem bescheiden ausgestatteten Eckbüro im Residenzschloss Darmstadt, von dort speist er seine Ideen in den Berliner Politbetrieb ein. Jetzt drängt Rürup Rot-Grün, die Probleme am Arbeitsmarkt nicht bis zur Bundestagswahl 2006 auszusitzen. Die Kritik gilt vor allem Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Der hofft, dass die Arbeitsmarktreformen greifen und der traurige Rekord von 5,2 Millionen Arbeitslosen bald der Vergangenheit angehört. Rürup dagegen fordert, Clement möge handeln: Die Regierung müsse die Zuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose erleichtern und ebenso prüfen, ob die neuen Minijobs nicht reguläre Jobs vernichten. Zudem müsse Bürokratie abgebaut werden, damit neue Jobs entstehen könnten. Gleichzeitig bremst Rürup all jene, die höhere Löhne fordern wie sein gewerkschaftsnaher Ratskollege Peter Bofinger. Die Menschen würden nicht deshalb weniger kaufen, weil sie zu wenig Geld hätten. „Sie sind verunsichert wegen der hohen Arbeitslosigkeit.“ Mehr als zwei Prozent höhere Löhne seien nicht zu rechtfertigen. „Alles andere ist problematisch.“ Eins hat Rürup bereits erreicht: Die Debatte um die Zukunft des Rates dürfte mit ihm als Vorsitzendem beendet sein. „Wir sind eine Wirtschaftsberatung und haben eine Kritikfunktion“, stellt er klar. daniel delhaes 

Anzeige
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%