BilderDIENSTE Online-Belichtung

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Die analoge Fotoindustrie brichtzusammen – neue Bilderdienste über das Internet bescheren der Brancheeinen Boom. 

Urlaubsfotos 2000: Krampfhaft versuchen, den 36-Bilder-Film voll zu kriegen, zum Fotohändler gehen und lange anstehen, nach der Bestellung eine Woche warten und dann – ärgern, dass nur 15 (teure) Fotos etwas geworden sind. Urlaubsfotos 2005: Kaum zu Hause angekommen, die Digitalkamera an den Computer anschließen, sich über die schönen Bilder freuen, die man vorher bereits am Kameradisplay auswählen konnte, per Internet zum Bilderdienst verschicken und zwei Tage später schöne Abzüge für wenig Geld bekommen. 

Deutschland ist längst Digitalland: Mit rund 8,4 Millionen verkauften Kameras haben die Hersteller 2004 den Rekord des Vorjahres mit einem Zuwachs von etwa 20 Prozent noch einmal übertroffen. Inzwischen sind mehr als 80 Prozent aller in Deutschland verkauften Fotoapparate Digitalkameras. Der Photoindustrie-Verband schätzt, dass 2005 noch einmal so viele digitale Kameras über die Ladentheken gehen. Die diesjährige Cebit hat den von ihr so betitelten „Digital Lifestyle“ gar zum zentralen Thema der Messe ausgerufen und zeigt, wie die Verbraucher ihre Digitalkameras, Speichermedien, Internetdienste und den Computer intelligent miteinander verknüpfen können. „Die Digitalfotografie ist längst ein wichtiger Wachstumsmotor für andere Technologiezweige wie etwa die Computerindustrie oder Internet-Provider“, sagt Manfred Breul, Technologieexperte beim Branchenverband Bitkom. 

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So kommen bereits heute die digitalen Bilder zu knapp 20 Prozent übers Internet zur Belichtung. Und für 2005 gehen die Großlabore von deutlich mehr als einer Milliarde Papierabzügen aus, die deutsche Digitalknipser übers Web ordern. Mehrere Dutzend Internetdienste kümmern sich bereits heute um Urlaubsfotos und Partyschnappschüsse, es werden immer mehr. 

Diesen Boom hat die Fotoindustrie sehnlich erwartet. So kann sie nach langer Durststrecke endlich wieder über echte Wachstumszahlen berichten. Denn der Aufschwung bei den digitalen Bildern in den vergangenen zwei Jahren führte zunächst zum totalen Einbruch des analogen Geschäfts. Das bekam zuletzt beispielsweise der Kamerahersteller Leica zu spüren. Das Traditionsunternehmen hatte die Konzentration auf die Digitalfotografie lange verschlafen. Ende Februar musste der Anbieter aus dem hessischen Solms eingestehen, in akuten finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. Einige Banken hatten zuvor wegen eines Millionenverlusts von Leica ihre Kreditlinien gekündigt. Auch fast schon alltägliche Meldungen über Insolvenzen wie etwa Mitte Februar die Pleite der RCL Colorlabore, der früheren Filmentwicklungsbetriebe von Foto Quelle in Nürnberg und Berlin, zeugen von dem rasanten Wandel. 

Profiteure der dynamischen Entwicklung sind neben den Herstellern von Digitalkameras und Druckern für den heimischen Bilderausdruck vor allem Dienstleister und Labore, die sich rechtzeitig von ihrem Analogequipment getrennt haben und ihren Kunden auch ganz neue Dienste wie etwa das Digital Print Order Format (DPOF) anbieten können, das die Übermittlung von Fotodaten aus der Kamera direkt ans Fotolabor ermöglicht (siehe Kasten Seite 70). Branchengrößen wie Bilderser- a vice.de, Fujifilm mit Euro Color, die ostdeutsche Orwo Net und Cewe Color sind die Trendsetter. 

Im Wesentlichen hat ein Kunde drei Möglichkeiten, seine digitalen Fotovorlagen an das gewünschte Labor zu übermitteln. Er schickt die Speicherkarte seiner Kamera ein. Vorteil: Die mitunter lange Übertragungszeit via Internet fällt weg, auf der Karte gespeicherte DPOF-Informationen lassen sich problemlos übermitteln. Allerdings nutzen diese Bestellmöglichkeit erst die wenigsten Kunden, offenbar aus Angst vor Verlust des Speichermediums. 

Stattdessen kann man auch die etwas umständliche Variante wählen, eine CD zu brennen und sie an das Labor zu senden. Die dritte Variante – der Versand vom heimischen PC übers Internet – ist jedoch diejenige, der Branchenexperten die besten Zukunftsaussichten einräumen. Zum Dienstleister kommen die Bilder dabei entweder mittels einer Software, die sich der Kunde auf seinem Rechner installieren muss, über den Internet-Browser oder per E-Mail. 

Wer keine Internetpauschale – eine so genannte Flatrate – hat, sollte sich für die Software des Anbieters entscheiden, da sie die Bilder komprimiert und schneller überträgt. Hoch aufgelöste Digitalfotos kommen leicht auf Dateigrößen von mehreren Megabyte. Dann kann das Hochladen von nur 15 Bildern selbst mit dem Datenturbo DSL eine gute Stunde dauern. Wer sogar noch mit Modem arbeitet oder einen Zeittarif nutzt, bezahlt so ordentlich Online-Gebühren. 

Schließlich sollte der Bildbesteller noch darauf achten, dass Digitalkameras Fotos im Verhältnis 3:4 schießen, das entspricht dem Format eines Computermonitors. Daher sollte man bei Abzügen statt auf das in der Analogfotografie übliche Standardformat 10 mal 15 Zentimeter auf 10 mal 13 oder 11 mal 15 Zentimeter umsteigen. So vermeidet man unschöne weiße Ränder oder einen automatischen Zuschnitt der Bilder an ungewollter Stelle durch das Fotolabor. 

Versteckte Kosten lauern bei Versand- und Servicegebühren. Für Großbesteller kann sich dann etwa die Bestellung bei einem Anbieter wie Superfotochemnitz.de lohnen, der ab 10 Euro Bestellwert keine Versandkosten verlangt. Oder bei Onfoto.de, der mit günstigen Versandkosten ab 1,95 Euro die Kunden lockt. 

Noch günstiger geht’s auf halbherkömmlichem Weg: Auch Drogeriefachmärkte wie Rossmann und DM haben das Potenzial des digitalen Hobbys erkannt. Sie nutzen ihr ausgedehntes Filialnetz, um Kunden neben der Bilderanlieferung per Internet die persönliche Abgabe der Speicherkarte zu ermöglichen. An speziellen Computerterminals in den Filialen können Kunden ihre auf CD oder Memory-Karte gespeicherten Fotos auswählen. Wenige Tage später können sie ihre Bilder wie Analogfotos in derselben Filiale abholen. Dann hat der Kunde fast das gleiche Urlaubsfeeling wie früher. Aber eben nur fast. 

Sven Hansel 

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