C h a C h a Ch a mpagner

Archiv: C h a C h a Ch a mpagner

Im Champagner ist Musik, sagt Spitzensommelier Hendrik Thoma – und „vertont“ die besten Jahrgänge. 

Prickelnde Aussichten: 416 Millionen Kilo Trauben wurden vergangenen Herbst in der Champagne gelesen. Von Hand! Der Vorrat ist gesichert, auch wenn der erste Champagner aus dieser Ernte frühestens 15 Monate nach der Lese getrunken werden kann. So lange braucht er mindestens, um in den Weinkellern heranzureifen. Wahre Kenner üben sich ohnehin jahrelang in Geduld, bis die großen Häuser ihre sorgsam ausgereiften Vintage-Champagner präsentieren, die es dann wirklich in sich haben. 

Hendrik Thoma, Sommelier im legendären Hotel „Louis C. Jacob“ in Hamburg, empfiehlt denn auch, die edlen Tropfen „nicht so knackig kalt“ wie normalen Champagner zu trinken; vielleicht sogar aus dem Chardonnay-Glas, weil sie dann ihr Bukett besonders intensiv entfalten. Mehr noch: Der Genuss auf der Zunge sollte durch den im Ohr komplementiert werden. Denn Champagner auf der Zunge, so der hanseatische Kellermeister, verlangt nach Musik im Ohr. Am besten munden die edlen Gewächse, wenn ihre Verkostung mit den jeweils zum Champagner-Charakter passenden musikalischen Klängen untermalt wird: 

Anzeige

Dom Pérignon „1998“ 

Sehr, sehr gute Kreation von Kellermeister Richard Geoffroy mit majestätischem Nachgeschmack. Das Bukett ist frisch im Auftakt und entwickelt sich nussig-würzig bis es mit einer leicht gerösteten Brioche-Note ausklingt. Damit lässt sich der neue Vorstandsposten, der Aktiengewinn oder der Sechser im Lotto feiern – konzertant untermalt mit Beethovens Neunter, Karajan am Pult. 

Salon Blanc des Blancs „Le Mesnil 1985“ 

Zu 100 Prozent aus weißen Chardonnay-Trauben hergestellt, gehört diese Cuvée zu den mineralischsten und frischesten Champagnern überhaupt. Er überzeugt durch eine ausgeprägt apfelige Note und filigrane Struktur. So sophisticated wie der Jazz von Ivan Paduart „A nightat the music village“, der beste Smalltalk-Förderer bei einer Vernissage für zeitgenössische Kunst. 

Pol Roger „Sir Winston Churchill 1995“ 

Hommage an Großbritanniens trinkfreudigen Ex-Premier, der eines seiner Rennpferde nach dem Vornamen von Madame Pol Roger „Odette“ genannt hatte. Jeder Sieg wurde prompt mit einem Kistchen seines Lieblingsschampus belohnt. Extrem trockene Cuvée mit cremiger Mousse, begleitet perfekt ein Menü, derweil Miles Davis „Kind of Blue“ intoniert. 

Jacques Selosse „N“ 

Sechs bis acht Jahre gelagert, ein klarer, konzentriert schmeckender Tropfen, provokant durch seine in neuen Eichenholzfässern gereifte Intensität. Schmeckt hervorragend zur modernen Fusionsküche und ist auch gerade richtig, um den Sieg bei einer Autorallye zu feiern. Den spendieren sich Sommeliers, wenn sie sich zufällig treffen. Robbie Williams Album „Intensive Care“liefert den passenden Sound. 

Bollinger „Année rare 1985“ 

Langlebiger Champagner, der nur wenig moussiert und über die Jahre zu einem wunderbaren Wein mutiert. Die schöne Goldfarbe stammt von der Lagerung in alten Barriquefässern. Vor allem Engländer lieben den nussigen, leicht salzigen Geschmack der Cuvée, die einen Herrenabend im Club bei guten Gesprächen und Zigarren toppt. Joshua Redman erzählt dazu „Timeless tales“. 

Billecart-Salmon Cuvée„Elisabeth Salmon 1995“ 

La vie en rose – die feine, elegante Cuvée mit ihrem zarten Stil ist dafür nicht nur dank ihres lachsfarbenen Rosétones wie geschaffen. Die leichte Fruchtigkeit, dominiert von schmeichelnden Erdbeernoten, macht warm ums Herz. Zum Verführen geeignet, ideal für ein Tête-à-Tête, aber auch perfekt für diplomatische Anlässe. In Kombination mit Mozart-Melodien extrem galant. 

Louis Roederer „Cristal 1996“ 

Der Schriftsteller Truman Capote behauptete, dass nach einem Schluck „Dämpfe von der Zunge steigen und dort alles zu feuchter, süßer Asche verbrennt“. Die überaus körperreiche Cuvée mit ihrer köstlichen Butterscotch-Note ist die „Hausmarke“ im amerikanischen Showbiz. Auf ihre cremige Mousse stehen alle – vom Rapper bis zum Hollywoodstar. Klar doch: Frank Sinatra „My way“. 

Laurent Perrier „Grand Siècle“ 

Eine reichhaltige Assemblage aus den Weinen dreier verschiedener Jahrgänge, selten ein reiner Jahrgangschampagner. Schmeckt vollmundig nach Nussnoten und ganz subtil nach zerlaufender Butter, ohne auf mineralische Frische zu verzichten. Ist eines Ritterschlages würdig, belohnt den Doktorhut, das Staatsexamen, das erste Buch. Den Erfolg untermalt Pepe Romeros „Concierto de Aranjuez“. 

Gosset „Grande Réserve“ 

Bildet mit Krug und Bollinger den „KGB“, die Dreieinigkeit der holzfassgereiften Champagner. Die superfeine, angenehm cremige Mousse besticht ebenso wie das imposant gold-silbrige Farbspiel im Glas. Kein Jahrgangschampagner, dennoch einer der besten; erschwinglich, also ideal, um ihn einfach mal so zu trinken. George Michael lädt musikalisch zum Chill mit „Songs from the last Century“. 

Pommery „Prestige Cuvée Louise 1995“ 

Drei Grand-Cru-Lagen in Cramant, Avize und Ay ergeben diese raffiniert klare Cuvée. Sie kommt – wie bei allen Jahr-gangschampagnern – in der Magnumabfüllung besonders gut zur Geltung. Mit ihrem 60-prozentigen Chardonnay-Anteil begleitet sie das Festmenü bei Familienfeiern vom Amuse-Gueule bis zum Dessert so kongenial wie die „Valse musette“ von Enrique Ugarte auf dem Akkordeon. 

Veuve Clicquot „La grande Dame 1996“ 

Die Assemblage setzt auf 64 Prozent kraftvollen Pinot Noir. Das ergibt eine vollmundige Großzügigkeit und ein facettenreiches Aroma aus frischen Früchten, Backobstnuancen und einer Spur Brioche. Für einen großen Anlass und/ oder ein exquisites Diner ist dieser Champagner das bacchantische Statement, Anna Netrebko das stimmliche: „The woman. The voice“. 

Perrier Jouët „Belle Epoque 1990“ 

Französischer geht es einfach nicht. Schon die Flasche mit Anemonengirlanden, entworfen von der Jugendstil-Ikone Emile Gallé, ist ein Genuss fürs Auge. Eine elegante, feine Cuvée, die vor allem durch ihren blumigen Duft und die süffige Biskuitnote überzeugt. Ideal als Krönung einer Opernpremiere, eines großen Theaterabends, mit oder ohne Souper. Chansons von Edith Piaf machen's rund. 

Taittinger „Comtes de Champagne 1995“ 

Rassig und von ätherischer Finesse präsentiert sich dieser Champagner, der zu 100 Prozent aus Chardonnay-Trauben gekeltert ist. Das gibt ihm Dynamik, Frische und seine herrliche, leicht grün-golden schimmernde Farbe. Perfekt, um damit einen gelungenen Geschäftsabschluss (Ehevertrag) bei einem eleganten Lunch zu besiegeln, Shakira „Fijación Oral“ im Background. 

Krug „1990“ 

Absolut prachtvolle, lebhafte Komposition. Ein Champagner für Kenner, der beim ersten Schluck Pfirsich- und Aprikotaromen offenbart, die köstlich mit Honig und Haselnuss harmonieren. Goldene Farbe, üppiger Schaum. Lebensfreude pur – ergo in Italien besonders beliebt. Den öffnet man für echte Freunde und legt dazu Pink Floyd „Wish you were here“ auf. 

Angelika Ricard-wolf 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%