Archiv: Cherchezla femme

Psychopathologie-Professorin, Sex-expertin, Schrift-stellerin, Verlegerin und Gattin von Sir Norman: Lady Elena Foster ist eine Frau mit vielen Gesichtern. 

Der Panoramablick aus dem Penthouse im achten Stock des von Norman Foster entworfenen Stahl- und Glasgebäudes am Südufer der Themse ist atemberaubend. Unten gleiten Schiffe zwischen der Battersea- und der Albertbrücke den grauen Fluss entlang, in der Ferne pulsiert die britische Metropole. Von hier oben hat London etwas Surreales und sanft Entrücktes. 

Auf dem Parkettboden mit den Ausmaßen eines Tennisplatzes stapeln sich Bücher- und Umzugskartons. Lady Elena Foster geht auf die Fensterfront zu, lässt sich in eines der Sofas fallen. „Wir ziehen mit einigen Beständen des Ivory-Press-Verlages aus dem siebten Stock hier herauf, in einen Teil unserer Privatwohnung“, erklärt sie mit einer entschuldigenden Geste zum Kartonberg. Dann zeigt sie auf einige rechteckige Behälter mit gewelltem Deckel: „Das hier sind zum Beispiel Exemplare von ,Open Secret’.“ Gemeint sind die Buchskulpturen des britischen Bildhauers Sir Anthony Caro. 

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Elegant gekleidet, das kastanienrote Haar nach hinten gebunden, fixiert die Gastgeberin ihr Gegenüber mit durchdringenden braunen Augen. In gutturalem Englisch, das ihre spanische Herkunft verrät, legt sie los und erzählt begeistert von ihrer Tätigkeit als Verlegerin, von exklusiven Kunstbänden, die eigentlich gar keine Bücher, sondern selbst kleine Kunstwerke sind. 

Das neueste Projekt der Verlegerin heißt „C“ (nicht zu verwechseln mit der in Toronto erscheinenden kanadischen Kunstzeitschrift „c magazine“). Das C im Titel steht für „Camera, Collector, Contemporary“. Es knüpft auch an den Jargon der Handygeneration an: In der drastisch verkürzten SMS-Sprache steht der Buchstabe C fürs lautgleiche englische Wort „see“ (sehen). 

Jedenfalls ist „C“ ein hochwertiges Fotomagazin, dick und gebunden, das jeweils zweisprachig auf Englisch und Chinesisch sowie Spanisch und Japanisch publiziert wird und zweimal im Jahr erscheint. Englisch, Chinesisch und Spanisch wählte Foster, weil diese Sprachen auf der Welt am häufigsten gesprochen werden, Japanisch, weil Japan einen hochentwickelten Fotografiemarkt hat. 

„Das Magazin ist eklektisch und global, es soll Fotografen ein Forum geben“, sagt Lady Elena. Der elitäre Anspruch: zeitlos schön, anzeigenfrei – eben keine Massenware. Rund 70 Euro kostet es für Abonnenten. Zwischen den Buchdeckeln sind Fotografien aus der ganzen Welt abgedruckt, von bekannten und unbekannten Künstlern. Wer in der ersten Ausgabe blättert, stößt unter anderem auf Fotos, die der Regisseur Wim Wenders am Grand Canyon aufnahm. „Do U C what I C?“, schrieb er dazu. 

„Früher habe ich Bücher geschrieben, heute verlege ich sie“, sagt die 47-Jährige, die den 70-jährigen Stararchitekten Norman Foster vor knapp zehn Jahren heiratete. Für ihn war es die dritte Ehe, für sie die zweite, das Paar hat eine siebenjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn. Die Kinder waren der Grund dafür, dass Elena Foster ihre akademische Laufbahn als Professorin für Psychopathologie aufgab und ins schöngeistige Ressort wechselte. 

Die ehemalige Fulbright-Stipendiatin, die in Cambridge, Chicago und Krakau lehrte und an der Universität Hamburg bei einem Forschungsprojekt über die Zusammenhänge zwischen Depression und Glücksspiel mitarbeitete, hatte sich längst mit der Erforschung von Schizophrenie, Alzheimer und Demenzkrankheiten einen Namen gemacht, als sie Foster kennen lernte. Eine Weile noch lehrte sie als Gastprofessorin am Kings College, dann hängte sie ihre akademische Karriere an den Nagel und gründete ihren Verlag Ivory Press. Der Name kam ihr nach eigenem Bekenntnis nach der Lektüre von Ernst Jünger; in Jüngers schriftstellerischem Werk taucht das Elfenbein (englisch: ivory) häufig als Metapher des Edlen und Erlesenen auf. 

In der elfenbeinernen Verlagsnische werden nun sehr persönliche und aufwendige Projekte realisiert, die auf einem intensiven Dialog zwischen Verlegerin und Künstlern basieren. Elena Foster vermerkt nicht ohne unternehmerischen Stolz, dass sie mit ihren Buchproduktionen dank reger Nachfrage finanzkräftiger Sammler bereits die Gewinnschwelle erreicht hat. Als Startkapital hatte sie ihre eigenen Ersparnisse eingebracht – keinen einzigen Penny vom Geld ihres Mannes. 

Man glaubt es ihr. Schließlich hatte die Spanierin nicht nur als Akademikerin, sondern auch als TV-Sexexpertin Erfolg. Anfang der Neunzigerjahre moderierte sie die Serie „Sprechen wir über Sex“ und klärte dort unter anderem über Aids und Homosexualität auf. „Das war eigentlich gar nicht mein Sachgebiet“, räumt sie ein, „aber in Spanien hatte es einen geradezu revolutionären Effekt.“ 

Mit derselben Leichtigkeit, mit der die Wissenschaftlerin zur Fernsehmoderatorin mutierte, vollzog sie die Wandlung zur Verlegerin. Wer sie besucht, kann auf Anhieb sehen, wie eng ihre Welt mit der ihres Mannes verwoben ist. Die Fosters sind ein Power Couple. Ihre Partys sind legendär: 900 Gäste hatten die Fosters zum Beispiel eingeladen, um Ende vergangenen Jahres die Fertigstellung von Anish Kapoors Buchskulptur „Wound“ zu feiern. 

„Natürlich haben wir gemeinsame Freunde, gemeinsame Interessen“, sagt Lady Foster und räumt ein, dass diese Netzwerke auch ihre Arbeit befruchten: „Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz habe ich durch und mit meinem Mann getroffen, andere Künstler hat er wiederum durch mich kennen gelernt.“ 

Yvonne Esterhazy 

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