Archiv: China hebt ab

Wen Jiabao » Im Eiltempo lässt Chinas Premierminister den letzten großen Industriezweig erschließen, in dem sein Land noch nicht tätig ist: den Flugzeugbau. 

Wen Jiabao will seinem Land endlich Flügel verleihen. Nachdem der Premierminister vergangenen Donnerstag grünes Licht gegeben hatte, um den Airbus A320 in der Hafenstadt Tianjin zu bauen, ließ er nun bestätigen, dass die Chinesen auch ein eigenes Flugzeug bauen werden: den 70- bis 110-sitzigen Regionaljet ARJ21. 

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Der Turboprop-Flieger, an dessen Entwicklung die Chinesen nach eigenen Angaben schon seit 2002 arbeiten, soll bereits 2008 zum Jungfernflug abheben, just in dem Jahr, in dem die Olympischen Sommerspiele in Peking ausgetragen werden. 2009 soll der Flieger bereits in Serie gehen. 

„Das ist ein Meilenstein für China“, sagt Zhang Yunchuan, der Chef der Kommission für Forschung, Technik und Industrie für nationale Verteidigung COSTIND. Die Kommission bereitet die strategischen Entscheidungsvorlagen für die Wen-Regierung vor. 

„40 Flugzeuge sind bereits bestellt“, verkündet Zhang. Der größte Kunde ist der Lufthansa-Partner Shanghai Airlines. Das Flugzeug wird in Peking gebaut, am Sitz des Flugzeugherstellers China Aviation Industry Corporation I (AVIC I): „Der ARJ21 hat vergangene Woche sein finales Produktionsstadium erreicht“, bestätigt AVIC Senior Vice-President Yang Yuzhong. „90 Prozent der Teile sind bis Ende des Jahres entwickelt.“ Das Flugzeug wird eine Reichweite von 3600 Kilometern haben. An dem Projekt sind 19 internationale Zulieferer beteiligt. 

Das chinesische Flugzeug soll jedoch nicht nur das Prestige Chinas erhöhen, sondern auch viel Geld verdienen. Branchenkenner gehen davon aus, dass der Regionalflieger made in China rund 20 Prozent billiger sein wird als die internationale Konkurrenz. Allein China braucht in den kommenden 20 Jahren mindestens 600 Flugzeuge dieser Größe, die rund zehn Prozent der Gesamtflotte ausmachen. Weltweit liegt der Bedarf in diesem Zeitraum bei 4000 Stück. Vor allem in Asien und Afrika soll ein großer Markt für dieses Flugzeug bestehen. 

Bei den Bemühungen, in der Luft auch militärisch stärker aufzutrumpfen, musste Wen kürzlich jedoch einen schweren Rückschlag einstecken. Ein auf der Basis des russischen Transporters Il-76 entwickeltes Flugzeug zur Luftüberwa-chung, von dem die Chinesen vier Exemplare gebaut haben, explodierte in der Luft. Alle 40 Bordinsassen – darunter 35 Elektroniker – kamen ums Leben. Mit dem KJ-2000 will sich Chinas Militär ein eigenes Frühwarnflugzeug schaffen, nachdem wegen des amerikanischen Drucks der Kauf westlicher Awacs-Technologie gescheitert war. 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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