Cisco stützt Telefonriesen

Archiv: Cisco stützt Telefonriesen

Normalerweise bilden die Internet-Giganten des Silicon Valley, Cisco, Yahoo, Ebay und Google, eine geschlossene Front, wenn es darum geht, ihre Interessen im fernen Washington zu verteidigen. Doch diesmal hat sich John Chambers, der Chef des Netzwerkausrüsters Cisco, auf die andere Seite geschlagen. Dort stehen seine wichtigsten Kunden, die großen US-Telefongesellschaften AT&T, Bell South und Verizon. Die wollen Verteiler von Internet-Inhalten wie Google, Yahoo oder Microsoft künftig stärker abkassieren. Wer besonders viele Daten übers Internet schickt, etwa in Form von Videos, soll mehr bezahlen. Nur so, argumentieren die Telefonriesen, könnten sie die Investitionen einspielen, die sie für den Ausbau des Internets zu einem Unterhaltungsmedium brauchen. Google & Co. halten verständlicherweise wenig davon und wollen die Netzwerkneutralität festschreiben: Jeder soll gleichberechtigt Zugang zum Internet erhalten – egal, wie viel er zahlt. „Wir könnten die höheren Kosten verkraften, junge Unternehmen aber nicht“, argumentiert Google-Gründer Sergey Brin. Gierige Telefonimperien also gegen innovative Internet-Firmen, die Vergangenheit gegen die Zukunft? 

Tatsächlich bereuen beide Seiten die Diskussion bereits. Denn am Ende könnten Auflagen für das Internet stehen, die niemand will. Dabei ist das Web bisher gut mit dem freien Wettbewerb gefahren. Beispielsweise Ebay: Der Auktionsservice war zunächst kostenlos. Dann machten so viele Leute mit, dass der Internet-Provider von Ebay wegen der höheren Datenmengen den Monatspreis erhöhte. Ebay-Gründer Pierre Omidyar gab die Mehrkosten weiter, indem er Einstellgebühren verlangte. Das hätte sein Unternehmen töten können. Tatsächlich aber schuf es einen Anreiz für Ebay-Verkäufer, nicht mehr allen möglichen Schrott zu listen, sondern Sachen, die sich auch verkaufen lassen. Das wiederum machte die Ebay-Plattform attraktiver. Momentan sieht es so aus, als ob sich die Telefongesellschaften in Washington durchsetzen sollten. Wäre damit die Innovation bedroht? Nicht unbedingt. Verlangen die Telefongesellschaften zu viel, könnten die Inhalte-Verteiler eigene Infrastrukturen aufbauen. Google hat sich bereits Kapazitäten im Glasfasernetz gesichert. 

Anzeige
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%