„Der Anfang vom Ende“

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Uwe Laue » Der Vorstandsvorsitzende der Versicherungsgruppe Debeka zu den Folgen der geplanten Gesundheitsreform. 

Herr Laue, in der privaten Krankenversicherung, der PKV, sind die Ausgaben laut einer Studie binnen 30 Jahren um 450 Prozent gestiegen, in der gesetzlichen Krankenversicherung nur um 240 Prozent. Spricht das nicht für eine Abschaffung der PKV? 

Die rund acht Millionen privat Versicherten haben inzwischen Alterungsrückstellungen in Höhe von 108 Milliarden Euro angespart. Deshalb ist die PKV zukunftsfähig. Die gesetzliche Versicherung ist es in jetziger Form nicht. Es stellt sich natürlich die Frage, ob 450 Prozent Preissteigerung sein müssen. Doch die Ärztehonorare können wir nicht mit den Ärzten aushandeln, sie werden vom Gesetzgeber festgelegt. Anders als die gesetzlichen Kassen können wir unsere Leistungen auch nicht immer weiter einschränken und so die Kosten begrenzen. 

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Funktioniert das Modell der Privaten nur, weil sie sich die Menschen mit den niedrigsten Risiken aussuchen können? 

Beide Systeme, gesetzlich und privat, haben ihre Berechtigung: Es wird immer Menschen geben, die sich eine private Versicherung nicht leisten können. Trotzdem wäre es tendenziell richtig, den Kreis derer zu vergrößern, die in die private Krankenversicherung wechseln können. 

Dafür müsste die Versicherungspflichtgrenze gesenkt werden, damit auch Arbeitnehmer wechseln können, die weniger als 3937 Euro brutto verdienen. 

Wir würden eine Absenkung auf 2500 Euro befürworten. 

Gut verdienende Familien mit Kindern meiden oft die Privaten. Ändert sich das, wenn die Bundesregierung einen Gesundheitssoli einführt? 

Die Kinder wären durch den geplanten so genannten Gesundheitssoli beitragsfrei, sie würden von allen Bürgern gemeinsam finanziert. Ich weise aber darauf hin, dass dies dann sowohl in der privaten als auch der gesetzlichen Versicherung gelten muss. 

Die Gesundheitsreform öffnet ihnen den Markt gut verdienender Familien. Und wenn die Gesetzlichen Leistungen kürzen, hilft Ihnen das, Zusatzversicherungen zu verkaufen. 

85 Prozent der Beitragseinnahmen der Debeka Krankenversicherung kommen aus Krankenvollversicherungen, die Zusatzversicherungen machen nur 15 Prozent aus. Werden wir in den Gesundheitsfonds einbezogen, ist das der Anfang vom Ende der Vollversicherung. 

Das hat die PKV auch behauptet, als sie zehn Prozent zusätzlich für Altersrückstellungen einziehen musste. 

Nun ist die Situation eine andere. Wenn der Gesundheitsfonds kommt, zahlt ein Privatversicherter einerseits einen gehaltsabhängigen Beitrag für das große Kollektiv aller Versicherten und zusätzlich, wie bisher in der PKV, einen risikoabhängigen Beitrag: Er soll sowohl für sein eigenes Alter vorsorgen als auch die Alterslast der GKV mitfinanzieren. Das zusammen ergibt einen Beitrag, den sich kaum noch ein Versicherter leisten kann. 

Wann würden in dem Fall bei der Debeka Krankenversicherung die Lichter ausgehen? 

Der Bestand der PKV wäre gesichert, denn es ist rechtlich nicht möglich, ihn aufzulösen. Auch haben sich unsere Versicherten über Alterungsrückstellungen Eigentum aufgebaut, auch das ist vom Gesetz geschützt. Wenn die Neuversicherten beim Fondsmodell mitmachen müssen, bekommen wir allerdings keine Neuzugänge mehr. Wir müssten die Beiträge um vier bis fünf Prozent anheben und in den kommenden fünf Jahren mindestens 700 Menschen entlassen. 

martin.seiwert@wiwo.de 

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