Archiv: Der Test

Der neue Braun Pulsonic soll mit innovativer Schalltechnologie für die gründlichste Rasur aller Zeiten sorgen, sagt der Hersteller.Im Selbstversuch prüfte Franz Rother, was der Elektrorasierer taugt. 

Nass oder trocken: Das ist die Glaubensfrage, über die Männer diskutieren, seit die Firma Remington 1931 den ersten Trockenrasierer auf den Markt brachte. Der Nassrasierer zelebriert die morgendliche Enthaarung. Einweichen, einschäumen, mit dem Strich rasieren, gegen den Strich schaben, eine neue Klinge, ein neuer Duft. 

Ich selbst hingegen bin eher pragmatisch veranlagt und greife daher – wie 60 Prozent der Bevölkerung – seit Jahren allmorgendlich zum Elektrorasierer. Für lange Rituale vor dem Frühstück fehlt mir die Muße. Rasierer an, solange damit im Gesicht rumreiben, bis die raspelnden Schneidgeräusche in das sanfte Brummen des Motors übergegangen sind – fertig. Dabei kann ich, wenn es sein muss, sogar lesen oder mich ankleiden. Vor allem aber sehe ich später nicht so aus, als hätte ich vor dem Frühstück noch schnell auf dem Paukboden eine Runde gefochten: Eine Scherfolie schützt die Haut vor den – je nach Bauart – rotierenden oder hin- und herhuschenden Messerblöcken. 

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Trockenrasierer von Braun besitzen traditionell vibrierende Scherköpfe, die sich entgegengesetzt zum Scherblatt bewegen. Beim brandneuen Braun Pulsonic sind sie vierfach beweglich gelagert. Obendrein überträgt ein starker Elektromotor Tausende Mikro-Vibrationen über den Scherkopf auf die Haut, auf dass sich dort die Haare aufstellen und anschließend leichter abrasieren lassen. So weit die Theorie. 

Beim Praxistest stellten sich bei mir aber zunächst die Nackenhaare auf – so laut dröhnte mir der Motor des 349 Euro teuren Topmodells Pulsonic 9595 ins Ohr. Mein eigener Philishave klingt da viel ziviler. Dafür arbeitet das Braun-Gerät wesentlich effektiver: Nach einer handgestoppt 3:30 Minuten langen Fahrt durch die Gesichtslandschaft ist diese so glatt, dass das zu Kontrollzwecken eingesetzte Wattepad keine Fusseln mehr hinterlässt. Die Bestzeit des Philishave vom Vortag betrug 4:20 Minuten. Auch bei gleicher Einsatzzeit – jedem Gerät wird dafür eine Gesichtshälfte zur Verfügung gestellt – rasiert der Pulsonic spürbar effektiver und hautschonender. Vor allem in den Problemzonen am Hals und um die Nase spielt das System seine Stärken aus. Der sonst übliche Kampf mit einzelnen widerspenstigen Härchen entfällt erst recht, wenn man dem Ratschlag des Herstellers folgt und die Rasur jeweils an den Anfang der Morgentoilette stellt. 

So aufwendig wie der Akku-Rasierer arbeitet die Ladestation, die mit dem Pulsonic ausgeliefert wird. Nach jedem Gebrauch wird der Rasierer mit dem Kopf voraus in die voluminöse, mit Kontrollleuchten übersäte „Clean&Renew“-Station gestopft und dann nicht nur vollautomatisch wieder aufgeladen, sondern auch gereinigt. Letzteres geht zu meinem Verdruss erneut mit großem Getöse daher. Grund: Der Scherkopf wird mit einer alkoholhaltigen Flüssigkeit gereinigt, die aus einer Kartusche im Fuß der Station gepumpt sein will. Der Inhalt einer Kartusche (Stückpreis: fünf Euro) reicht zudem nur für etwa 30 Reinigungen – bei einer mittleren Lebensdauer des Mannes von 82,5 Jahren und rund 23 000 Rasuren käme da schon einiges zusammen. Auf der anderen Seite gewinnt man mit dem Pulsonic täglich eine Minute Frei- oder Arbeitszeit. Ein Systemwechsel will deshalb gut überlegt sein. Nicht nur von überzeugten Nassrasierern. 

franz.rother@wiwo.de 

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