„Deutsche Polarität“

Archiv: „Deutsche Polarität“

Richemont » Konzernchef Norbert Platt über den Luxusmarkt. 

Herr Platt, weltweit glänzt die Luxusbranche wieder. Wie schneidet Richemont in Deutschland ab? 

Wir sind mit dem deutschen Markt zufrieden. Wir wachsen dort. Es gibt in Deutschland diese Polarität zwischen „Geiz ist geil“ und „Ich bin es mir wert“. Für starke Marken ist das kein schlechtes Umfeld. Die Deutschen sparen heute zehn Euro beim Discounter, gehen morgen für 200 Euro essen oder kaufen ein Produkt von Richemont für 2000 oder 3000 Euro. 

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Wie entwickeln sich Ihre deutschen Marken wie etwa A. Lange & Söhne oder Montblanc? 

Wenn Montblanc nicht gut gelaufen wäre, wäre nicht ich, sondern jemand anders Richemont-Chef geworden. Montblanc ist eine unserer Kernmarken; die Nummer zwei nach Cartier beim Umsatz und Ertrag. Wir haben es geschafft, dass Montblanc weltweit nicht nur als Marke für Schreibgeräte und Lederwaren wahrgenommen wird, sondern auch als Uhrenhersteller. Die Uhrensparte von Montblanc gehört inzwischen zu den größten 30 von rund 150 Uhrenherstellern in der Schweiz. 

Und Lange & Söhne? 

Lange ist eine ikonische Marke. Klein und exklusiv. Es geht nicht darum, dass Lange & Söhne zehntau-sende Uhren verkauft. Die Marke hat nach wie vor ihren Schwerpunkt in Deutschland; wir erweitern aber den Vertrieb in den USA. Das muss die Marke verkraften, weil wir nicht bereit sind, wegen der wachsenden Nachfrage bei der Qualität Abstriche zu machen. 

Sie haben sich gerade von der Herrenmodemarke Hackett getrennt. Konzentrieren Sie sich demnächst auf Uhren und Schmuck und geben Mode und Accessoires auf? 

Unsere Kerngeschäfte sind Uhren und Schmuck. Aber man soll nicht alle Eier in einen Korb legen. Wir wollen deshalb im Leder stärker werden – indem wir vorhandene Marken stärken oder zukaufen. Letzteres ist teurer als bestehende Marken auszubauen. Wir haben ja vier Marken mit Lederprodukten: Cartier, Montblanc, Dunhill und Lancel. 

Dunhill und Lancel schreiben seit Jahren rote Zahlen. Werden Sie verkauft wie Hackett? 

Beide Marken sind auf dem Weg zur Besserung. Es drängt also nichts. Lancel steht eher am Rande von Richemont. Bei Dunhill sehe ich das Potenzial einer starken Marke mit einem großen Portfolio an Produkten von der Mode bis zum Leder. In China entwickelt sich diese Marke außergewöhnlich. 

Welche Rolle spielt China fürRichemont? 

Das ist ein kleiner Markt mit einem Umsatzanteil von etwa zwei Prozent, aber mit einem Wachstum von über 40 Prozent im vergangenen Jahr. 

Wächst mit der Bedeutung Chinas nicht die Gefahr der Produktpiraterie? 

Nicht bei den chinesischen Luxuskäufern, die sind sehr markenbewusst. In China verliert man als Besitzer von Fälschungen sein Gesicht. Es sind die europäischen Touristen, die mit ihren vermeintlichen Schnäppchen auf den Fälschermärkten im Freundeskreis angeben und mit dem Kauf von Fälschungen Kinderarbeit und mafiöse Strukturen stützen. 

In welchen Bereichen planen Sie Akquisitionen? 

Luxusmarken kommen nicht ständig in Massen auf den Markt. Und wenn eine interessante Marke angeboten wird, gibt es die Frage des Preises – und des Kartellrechtes. Bei den Uhren könnten wir, wenn wir eine größere Marke kaufen würden, dort durchaus Probleme bekommen. Aber wir beobachten den Markt und wenn eine Marke zu uns passt, greifen wir zu. 

Was wird aus dem Tabakgeschäft? 

Die BAT-Beteiligung gibt uns Stabilität. Das Ergebnis aus dem Tabakgeschäft lag im vergangenen Geschäftsjahr etwa in der gleichen Höhe wie das des Luxusbereiches. Zurzeit geht es der Luxusindustrie zwar ganz gut. Aber vor zwei Jahren, als die Industrie kriselte, waren wir sehr froh, dass BAT jährlich rund 500 Millionen Euro Gewinn ablieferte. 

Also halten Sie weiterhin an BAT fest? 

Ich sehe vorerst keinen Grund, das zu ändern. 

lothar.schnitzler@wiwo.de 

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