Archiv: Die Ehre der Fiorina

Eine bessere Steilvorlage hätte sich Carly Fiorina nicht wünschen können. Ausgerechnet Patricia Dunn, die im Februar 2005 dafür sorgte, dass Fiorina den Chefsessel von Hewlett-Packard (HP) vorzeitig räumte, muss Anfang nächsten Jahres den Vorsitz des HP-Aufsichtsrats abgeben, nachdem sie den Konzern ins Zwielicht gerückt hat. Dunn ließ, wie jetzt herauskam, Kollegen und Journalisten von einer Detektei bespitzeln, um herauszufinden, wer vertrauliche Informationen über jenen Rausschmiss an die Presse gab. Dank Dunn weiß nun alle Welt, wie sich in den USA feststellen lässt, wer mit wem telefoniert hat: Man gibt sich gegenüber der Telefongesellschaft einfach als Inhaber des Anschlusses aus und fordert eine Kopie des Einzelverbindungsnachweises an. Die Verbissenheit, mit der Dunn vorging, und ihre Entschlossenheit, notfalls auch illegale Mittel einzusetzen, lässt beinahe Mitleid mit Fiorina aufkommen: Wurde auch sie vor der Kündigung beschnüffelt? 

Man wird es in Kürze wissen. Denn die Geschasste hat ihre Zeit bei HP im Buch „Tough Choices“ verarbeitet, das im Oktober in den Handel kommt. Die einst mächtigste Managerin Amerikas plant eine Buchtour quer durch die Staaten. Auch ohne die Werbereise würde Fiorinas Werk wohl schnell die Spitze der Bestseller-Listen erklimmen. Denn die 52-jährige Managerin hat angekündigt, in dem Buch auszupacken. Nicht nur über ihre Blitzkarriere, die sie von einem Verkaufsjob bei der Telefongesellschaft AT&T bis an die Spitze eines High-Tech-Konzerns führte, sondern auch über ihre größte Niederlage. Mit dem Buch will Fiorina ihre Ehre wiederherstellen und ihren Anteil am Wiederaufstieg der Silicon-Valley-Ikone HP reklamieren. Noch in diesem Jahr wird HP wahrscheinlich IBM als umsatzgrößten High-Tech-Konzern der Welt ablösen, vielleicht auch Dell die Krone des Marktführers im PC-Geschäft abnehmen. Man kann darüber streiten, wie wichtig solche Titel sind, aber ohne Fiorinas Kauf von Compaq wären sie nie in Reichweite gekommen. Das Interesse an Fiorinas Darstellung ist so groß, dass ihr Verleger Penguin keine Vorabexemplare herausgibt. Wie sich Fiorina mit dem Enthüllungsbuch für einen neuen Job empfehlen will, ist eine andere Frage. Wer stellt schon indiskrete Manager ein? 

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