Dieselgerucherwünscht

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Thiel Logistik « Konzerneigentümer Stefan Quandt sucht eine geeignete Spitze für den Logistikkonzern – und handelt sich nur Abfuhren ein. 

Eigentlich sollte die Delton AG Stefan Quandts unternehmerische Fähigkeiten unter Beweis stellen. Mit der „strategischen Management-Holding“, wie der Industriellenspross seinen Konzern im noblen Frankfurter Vorort Bad Homburg nennt, wollte er unter Beweis stellen, dass er mehr kann, als nur das väterliche Erbe zu verwalten. 

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Doch bis dahin ist es noch weit, wie der steinreiche Nachfahr der Quandt-Dynastie (Altana, BMW) zurzeit schmerzlich erfahren muss. Wem auch immer sein oberster Holding-Verweser Berndt-Michael Winter anbietet, künftig die 50,3-prozentige Delton-Tochter Thiel Logistik zu führen, jedes Mal gab es einen Korb. 

Erst winkte Cornelius Geber ab, ehemaliger Holding-Vorstand beim höchst erfolgreichen Logistikkonzern Kühne+Nagel und heute Eigentümer eines Beteiligungsunternehmens in Hamburg. Dann blitzten Quandt und Winter bei Ewald Kaiser ab, der für Kühne + Nagel das Deutschland-Geschäft verantwortet. Und auch Hans-Jörg Hager wollte lieber weiter als Deutschland-Chef die Spedition Schenker im Deutsche-Bahn-Konzern stärken als unter dem Duo den Rücken krumm zu machen. 

Thiel Logistik ist mit 1,7 Milliarden Euro der mit Abstand größte Umsatzträger und mit 36,4 Millionen Euro der wichtigste Gewinnbringer (vor Firmenwertabschreibungen und Zinsen) in Quandts Unternehmensimperium. Der Chefposten ist vakant, seit der ehemalige Bertelsmann- und Karstadt-Vorstand Klaus Eierhoff im Juni nach zwei Jahren an der Spitze das SDax-Unternehmen im Streit mit Winter und Quandt verließ und auch sein Finanzchef Martin Löffler ging. Während der eitle Medien- und Kaufhausmanager sich zugute hielt, Thiel in die schwarzen Zahlen geführt zu haben, warfen ihm Kritiker vor, den zusammengekauften logistischen Gemischtwarenladen nur in den Büchern restrukturiert zu haben. „Eierhoff glänzte als Rhetoriker und Analytiker“, meint ein Branchenkenner, „doch ihm fehlte die Kenntnis des Speditionsgeschäfts und der Dieselgeruch.“ 

Quandt und sein Delton-Statthalter Winter enthalten sich jeden Kommentars. Sie seien bei der Eierhoff-Nachfolge eben „sehr wählerisch“, heißt es aus ihrer Umgebung. Es könne aber „gut sein“, dass sie schon in vier Wochen einen Kandidaten hätten. 

reinhold.boehmer@wiwo.de 

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