Archiv: Doppelter Abschlag

Werner Müller » Der RAG-Chef droht mit einem Börsengang bis zu fünf Milliarden Euro zu verschenken. 

Die Börsenpläne von RAG-Chef Werner Müller könnten den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Londoner Investmentbanker gehen nach neuen Berechnungen davon aus, dass ein separater Verkauf der Geschäftsbereiche bis zu fünf Milliarden Euro mehr einbringen könnte als der Börsengang des Konglomerats. Das ist deutlich mehr, als bisher angenommen wurde (siehe WirtschaftsWoche 8/2006). Die Banker machen folgende Rechnung auf: Für sich genommen hätte der Stromerzeuger Steag einen Unternehmenswert inklusive Schulden von rund 3,5 Milliarden Euro. Bei einem Verkauf an einen strategischen Investor aus dem Ausland könnte die RAG für ihre Tochter jedoch ohne Probleme auch fünf bis sechs Milliarden Euro erlösen. „Das setzt natürlich voraus, dass man internationale Wettbewerber hier genauso akzeptiert, wie man es derzeit von den Spaniern im Fall der Endesa-Übernahme durch E.On erwartet“, sagt ein Frankfurter Banker. 

Anzeige

Den Wert der Chemie-Tochter Degussa schätzen Investmentbanker nach dem Verkauf der Bauchemie an BASF noch auf neun bis zehn Milliarden Euro. Dazu kommt die Immobilientochter der RAG, die man in London auf rund vier Milliarden Euro schätzt. In Summe ließen sich mit einem Verkauf der Einzelteile folglich rund 18 bis 20 Milliarden Euro erlösen, glauben Banker. Das wären im äußersten Fall fünf Milliarden Euro mehr, als Müller an der Börse für den Mischkonzern bekommen will. Der RAG-Chef hatte kalkuliert, der Konzern könne an der Börse rund fünf Milliarden wert sein. Zusammen mit circa zehn Milliarden Euro Schulden und Pensionsverpflichtungen ergibt sich daraus ein Unternehmenswert von rund 15 Milliarden Euro. Der Unterschied ist so groß, weil die RAG an der Börse einen „doppelten Abschlag“ hinnehmen müsste, erklärt ein hochrangiger Investmentbanker: zum einen wegen der Struktur als Konglomerat, zum anderen wegen der Intransparenz. Schließlich soll die Mehrheit der RAG anfangs in den Händen einer Stiftung liegen, die auch für die Steinkohlerisiken haften muss. Setzt sich Müller mit seinen Börsenplänen durch, bleibt ein entsprechend höheres Risiko für die Altlasten des Steinkohlebergbaus beim Steuerzahler hängen. 

brigitte.haacke@wiwo.de | Frankfurt 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%