Archiv: Dubai greift an

Diamantenbörse » Der Antwerpener Handelsplatz bekommt Konkurrenz. Dubai will Edelsteinhändler mit 50-jähriger Steuerfreiheit locken. 

Antwerpen, der alten Welthauptstadt des Diamantenhandels, droht ein schwerer Schlag aus Dubai. Das Dubai Metals and Commodities Centre wird im Wüstensand eine Alternative zur traditionellen Antwerpener Diamantenbörse errichten. Auf 65 Etagen soll der nach dem arabischen Wort für Diamant benannte Almas Tower künftig die Diamantenbörse der Vereinigten Arabischen Emirate beherbergen. Die gesamte Bürofläche war nach Bekanntgabe des Projekts in kürzester Zeit vermietet, denn Dubai lockt Diamantenhändler unter anderem mit Steuerfreiheit für die nächsten 50 Jahre. 

Anzeige

„Das sind natürlich Rahmenbedingungen, von denen wir in Europa nur träumen können“, sagt Jochen Müller , Präsident der Diamanten- und Edelsteinbörse in Idar-Oberstein. Der Repräsentant der deutschen Edelsteinhändler kann sich vorstellen, dass einige der rund 200 Händlerfirmen von der Schelde in die Wüste umziehen. Da sich Dubai als Flughafendrehkreuz auf dem Weg nach Asien und als Einkaufsparadies der Superreichen etabliert habe, sei die dortige Börse jedenfalls nah am Markt. 

Noch immer werden 80 Prozent aller weltweit gehandelten Rohdiamanten und die Hälfte aller geschliffenen Steine in Antwerpen umgeschlagen. Mit rund 30 Milliarden Euro pro Jahr macht der gesamte Antwerpener Diamantenhandel sieben Prozent des belgischen Exportvolumens aus. An der Antwerpener Börse arbeitende indische Wettbewerber lassen jedoch ihre Diamanten mehr und mehr von Schleifern im indischen Bundesstaat Gujarat verarbeiten. In Indien werden inzwischen 90 Prozent aller Diamanten weltweit geschliffen. Während in den Siebzigerjahren in Antwerpen noch 25 000 Edelsteinschleifer und Polierer arbeiteten, sind es heute nur noch 1700. Dennoch sagt Edelsteinexperte Müller: „Für Europa wird die Stadt immer die dominierende Stellung im Diamantenhandel behalten“, – wegen der seit langem gewachsenen Beziehungen von Händlern und Käufern. Im Hooge Raad voor Diamant (HRD), der Dachorganisation der belgischen Diamantenhändler, ist man sich jedoch darüber im Klaren, dass Gefahr droht: „Im Diamantenhandel muss man heute überall vertreten sein. Die starken und traditionellen indischen Familien haben einen Wettbewerbsvorteil“, meint HRD-Chef Peter Meeus . 

bernd.eitel@wiwo.de 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%