Eckhard CordesChef der Mercedes Car Group

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Hatte Wolfgang Bernhard, einst designierter Mercedes-Chef, doch Recht? Ist die Mercedes Car Group (mit den Marken Mercedes-Benz, Maybach, Smart) ein Sanierungsfall? Kaum hatte Bernhard die Frage bejaht, hatte er ein Problem: Er verkündete seine Erkenntnis zu früh und zu laut – und musste deshalb zwei Tage vor Amtsantritt gehen. Ganz anders der neue Mann an der Mercedes-Spitze: Eckhard Cordes. Er sieht erst einmal hin, hört zu und handelt dann – konsequent und schnell. Seit der heute 54-Jährige 1976 als Managementtrainee bei Daimler anheuerte, musste er überall da einspringen, wo es brannte. Jetzt führt er Mercedes. Erzrivale BMW verkauft mehr Autos, Toyota führt die Qualitätsranglisten an, Ferrari siegt in der Formel 1 nach Belieben. Die Umsatzrendite 2004 sank unter vier Prozent – weniger als die Hälfte des Münchner Konkurrenten BMW. Qualitätsprobleme der Premiummarke Mercedes schädigen das Image genauso wie der unselige Streit um Rußfilter und die verschlafene Entwicklung von Hybridautos. Es gibt viel zu tun, Cordes packt es an. Er legt alle Entwicklungsprojekte des Verlustbringers Smart auf Eis (siehe auch Seite 52), stoppt die geplante Entwicklung des Supersportwagens P 8 und sagt der teuren Nischenpflege den Kampf an. Teuer deshalb, weil selbst bei absatzschwachen Modellen viel kostspielige Technik entwickelt wurde, auch wenn sie im Konzern bereits vorhanden war. Cordes, der knallharte Macher, soll es richten. Dass der promovierte Betriebswirt es kann, hat er längst bewiesen. Seinen Ruf als Kostenkiller erwarb er sich erstmals, als er von 1989 bis 1994 für seinen Mentor, DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, das Milliardengrab AEG einebnete. Sein Gesellenstück lieferte der gebürtige Norddeutsche ab, als er die verlustträchtige Bus- und Lkw-Sparte in einen höchst profitablen Geschäftszweig verwandelte. Cordes ist nur vordergründig der kühle Stratege und Planer. Wenn ihm etwas zu langsam geht, Gespräche nicht auf den Punkt kommen, kann der Familienvater auch brüllen und toben. Möglich, dass das auch jetzt auf seinem neuen Posten nötig ist. Denn viel Zeit bleibt Cordes nicht. In zwei Jahren entscheidet sich wohl die Nachfolge Jürgen Schrempps. Cordes konzerninterner Rivale Dieter Zetsche sonnt sich auf der Detroit Motor Show in dieser Woche schon im Glanz des sanierten Daimler-Kinds Chrysler. Gelingt Cordes jedoch sein Meisterstück und führt er Mercedes wieder an die Spitze, dann ist er der Favorit für den Führungsposten bei Deutschlands umsatzstärkstem Industriekonzern. jürgen rees 

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