Archiv: Ein harter Winter

David Neeleman » Erstmals seit dem Börsengang verkündet der Chef der US-Billigfliegers Jetblue Airways rote Zahlen. Auch für Marktführer Southwest und Europas Schnäppchenlinien wird es eng. 

David Neeleman übt sich in einer neuen Eigenschaft: Demut. Bisher spottete der Chef des zweitgrößten US-Billigfliegers Jetblue Airways stets über die Bilanzen der etablierten Konkurrenten. Nun musste er eingestehen, dass steigende Ölpreise und der mörderische Preiskampf im US-Luftverkehr sein Unternehmen im dritten Quartal 2005 erstmals operativ in die roten Zahlen gedrückt hat. „Wir sind nicht länger immun“, sagte Neeleman. Das werten Branchenkenner als schlechtes Omen für Europas Billigflieger. 

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Zwar schaffte der US-Billigflieger, den der streng gläubige Mormone Neeleman 1999 unter anderem mit Geld von Investmentguru George Soros gegründet hatte, im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2005 ein kleines Plus – aber nur dank einer Steuergutschrift. Von Juli bis September verdienen die Fluglinien in der Regel bis zur Hälfte ihres Jahresgewinns. „Für das ganze Jahr“, sagt Neeleman, „rechnen wir nun mit Verlusten.“ Selbst für den weltgrößten Billigflieger Southwest Airlines wird es eng. Nur weil das Vorbild aller Schnäppchenlinien seine Spritrechnung mithilfe von Preissicherungsgeschäften um 295 Millionen Dollar drücken konnte, kam am Ende des dritten Quartals ein operative Ergebnis von 273 Millionen Dollar heraus. „Jetzt müssen alle Mann an Deck“, sagt Gründer und Aufsichtsratschef Herb Kelleher. „Wir stehen unter Feuer.“ Denn die lukrativen Termingeschäfte laufen aus. Die Texaner schätzen, dass ihre Spritrechnung im kommenden Jahr um mindestens 500 Millionen Dollar steigt. Unter Europas Billigfliegern haben bisher nur Ryanair und Easyjet einen nennenswerten Gewinn erreicht. Doch beide rechnen mit sinkenden Umsatzrenditen. „Wenn der Sprit so teuer bleibt“, sagt ein Airlinemanager, „wird es für uns alle ein harter Winter.“ 

ruediger.kiani-kress@wiwo.de 

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