Ein Rosé ist ein Rosé ist ein Rosé

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Die besten Weine und Champagner zur Indian-Summer-Saison 

Das Image von Roséwein und Rosé-champagner ist wie das von Rossinis Musik: Wer sich nicht auskennt, erklärt, das sei nett, gefällig, aber bedeutungslos und letztlich etwas für den weiblichen Geschmack – eben etwas Charmantes für Ahnungslose. „Niemand der etwas von Weinen versteht, würde jemals einen roséfarbenen Champagner trinken, wenn er anderen bekommen kann“, schrieb Cyrus Redding in seiner „History and Description of ModernWines“. Das war 1833, aber offenbar hat sich diese Meinung so hartnäckig festgesetzt, dass heute immer noch viele meinen, sich als Kenner auszuweisen, indem sie den Rosé schmähen. Zu Unrecht. 

Ist es, weil dieser Ton, weder rot noch weiß, suggeriert, solch ein Wein sei ein Zwitter, dem es an jener Entschiedenheit gebricht, die markante Menschen gerne für sich beanspruchen? Ist es, weil die Farbe jene klebrige Lieblichkeit assoziieren lässt, mit denen deutsche Wirtschaftswunder-Weine einst den Übergang zum Eierlikör sanft gestalteten? 

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Sicher ist, dass der Absatz von Rosé-weinen und Roséchampagnern hier zu Lande weit zurückliegt hinter dem in Frankreich. Dabei ist die deutsche Bezeichnung für das, was in Frankreich Rosé, in Italien Rosato heißt, ein Wegweiser zu der richtigen Jahreszeit, diesen Wein zu trinken: ‚Weißherbst’. Das hört sich an nach einem Herbst, der noch licht ist. Das, was in Amerika, der an Indien gemahnenden satten Farben wegen, von Gelb über Ocker und Zinnober bis hin zum tiefen Dunkelrot, so schön Indian Summer heißt. 

Zu dieser Zeit und Stimmung gibt es einen idealen Wein: den Rosé. Er ist fruchtig und – wenn er gut ist – herb; er ist duftig und dennoch charaktervoll; er hat die Leichtigkeit von Rosenblüten und dennoch Körper; er verbindet die Frische eines spritzigen Weißweins mit der Intensität eines dichten Rotweins: ein Wein, der zugleich erfrischt und wärmt, belebt und beruhigt. Auch aus anderen Gründen harmoniert kein Wein besser mit dem Indian Summer als ein Rosé. Nachweislich erwachen in Mittel- und Nordeuropa, auch wenn der Sommer so wenig ins Schwitzen brachte wie der dieses Jahres, erst, wenn er abklingt, wieder die erotischen Gelüste. 

Kaum ein Getränk gilt als so erotisierend wie die Roséchampagner, schon allein weil die Rose, mythologisch Attribut der Venus, immer als Blume der Liebe galt. In den frivolen Etablissements der Belle Époque war rosiger Champagner obligat. 

Soll ein Rosé missionarisch wirken, muss er gerade jene Merkmale besitzen, die ihm pauschal abgesprochen werden: Tiefe, Körper, Charakter und einen bemerkenswerten, cremigen Abgang. Aber über diesen Anstrengungen darf er nicht seinen Charme verlieren, seine Anmut, seine Leichtigkeit. 

Dem Eingeweihten macht es Spaß, Irrtümer über den Roséwein auszuräumen. Und diese Räumungsarbeiten sind meist beträchtlich. Doch im Namen der Rose ergeben sich so ganz neue Zirkel. Es erblühen neue Freundschaften und Interessen. Gerade jetzt ist dies ein Erfolgsrezept gegen Melancholie. 

Im Namen des Rosé – Provenienzen und Profitipps 

In Italien kommen die besten Rosés oft aus den heißen Weinbauregionen des Südens. Cerasuolo heißt ein kräftiger Rosé, der eine kirschrote Farbe hat. Es gibt nur wenige, die ein DOC-Prädikat haben, zum Beispiel der Cerasuolo di Vittoria aus Sizilien. Er ist dem toskanischen Cerasuolo meist überlegen. Scaliere Rosso del Salento IGT Rosa del Golfo nennt sich ein fruchtiger Roséwein aus Apulien; wie wichtig gerade dieser Wein für den Winzer ist, beweist das Wort Scaliere: So heißt im apulischen Dialekt derjenige, der die erste Furche im Weinberg zieht. Das bedeutet in diesem Fall: Dieser Rosé ist der Einstieg ins Sortiment. 

Die Provence ist die Heimatregion der berühmtesten Rosés dieser Welt; 70 Prozent der Weinproduktion machen in der Region Côtes de Provence, die sich von Marseille bis Nizza erstreckt, die Roséweine aus. Die berühmtesten provenzalischen Rosés sind wohl die der Domaines Ott. Sie machen ihrem Ruf nach wie vor alle Ehre, aber den muss sich der Genießer einiges kosten lassen: Der – zugegebenermaßen wunderbare – 2003 Cœur de Grain kostet 29,90 Euro (bei Weinland Ariane Abayan, Telefon 0 40/48 00 35 00). 

Die Österreicher, sicher mehr für große Weißweine berühmt, stellen auch sortenreine Rosés von erster Qualität her, zum Beispiel aus 100 Prozent Zweigelt. Ein österreichischer Geheimtipp für Menschen, die im Indian Summer rosige Aussichten lieben: die Beerenauslese von Alois Kracher, Neusiedlersee, ebenfalls 100 Prozent Zweigelt (12,50 Euro, bei Weinhandel Thomas Späth). 

Wer an spanische Rosés schmerzliche Erinnerungen hat, weil er sich mit Supermarktware zum Preis von Limonade begnügte, kann sich mit dem 2003 Rosado Cabernet Sauvignon Enate, Somontano in Nordspanien, versöhnen (über Weinkontor Freund, Telefon 0 54 25/9 54 60). Die 10,50 Euro ist er wert. 

Weißherbst ist die deutsche Bezeichnung für einen Rosé, der mindestens QbA-Niveau haben muss. Weißherbst kommt aus den Gebieten Ahr, Baden, Franken, Rheinhessen, Rheinpfalz und Württemberg; die badischen Weißherbste vom Kaiserstuhl oder aus der Bodenseeregion um Meersburg und Hagnau sind am bekanntesten. Meist wird der Weißherbst aus Portugieser oder Spätburgunder gekeltert. 

Die Lagerfähigkeit und Entwicklungsfähigkeit von Rosés ist beachtlich, obwohl sie gerne als flüchtiger Genuss abgetan werden. So erreicht die 1997 Comtes de Champagne Rosé Brut von Taittinger (126,50 Euro) laut Angaben des Hauses Dallmayr in München (Telefon 0 18 05/00 65 22), ihre wahre Größe erst 2007 und soll bis mindestens 2017 ein frischer Genuss sein. 

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