„Eine Milliarde Euro“

Archiv: „Eine Milliarde Euro“

Fußball » DFL-Chef Christian Seifert geht mit hohen Ansprüchen in die Verhandlungen mit den Fernsehsendern. 

Herr Seifert, ein Jahr vor der WM startet die Bundesliga ohne spektakuläre Neuverpflichtungen in die Saison. Geht den Vereinen das Geld aus? 

Im Gegenteil: Die Bundesliga ist in Europa die Liga, die am seriösesten wirtschaftet. Die Vereine haben – im Gegensatz zu Italien und anderen Ländern – auch die Kostenseite im Blick. Anders als andere Top- Ligen hatten die deutschen Klubs die Insolvenz ihres Hauptgeldgebers, der KirchGruppe, zu verkraften. Daraus hat die Bundesliga gelernt und beispielsweise die Personalkosten massiv reduziert 

Anzeige

So genau war der Blick auf die Kostenseite aber nicht, Borussia Dortmund wäre in der vergangenen Saison fast Pleite gegangen. Können Sie ähnliche Fälle für die Zukunft ausschließen? 

Ausschließen lässt sich das nicht. Die Vereinsführung ist aber nicht Sache der DFL, sondern des jeweiligen Managements. Allerdings bin ich im Prinzip sehr dafür, dass die Profivereine uns monatlich ihre Zahlenwerke zukommen lassen. Wenn man den Begriff Profi-Fußball ernst nimmt, muss man mittelfristig von jedem Klub erwarten, dass er uns seine Gewinn- und Verlustrechnung auf Knopfdruck liefern kann. So lassen sich Fehlentwicklungen früh korrigieren. 

Im Herbst verhandeln Sie die Fernsehrechte neu. Derzeit erhält die Liga 300 Millionen Euro pro Saison. Wie viel sollte der Profifußball den Sendern ab der Saison 2006/07 wert sein? 

Ich bin davon überzeugt, dass allein die Pay-TV-Rechte für Deutschland eine Milliarde Euro wert sind. 

Sie scherzen? So viel zahlt kein TV-Sender der Welt für Fußball. 

Premiere ist an der Börse etwa zwei Milliarden Euro wert. Und es gibt Experten, die behaupten, mindestens die Hälfte der Zuschauer hätte den Sender nur wegen Bundesliga-Fußball abonniert. Also müssten die TV-Rechte aus Sicht von Premiere eine Milliarde Euro wert sein. Letztlich geht es also nur darum, welchen Preisabschlag wir hinnehmen... 

Für Sie wäre es bei zuletzt sinkenden Rechtepreisen doch schon ein Erfolg, wenn Sie 450 Millionen Euro mit einem neuen TV-Vertrag erzielen könnten? 

Ich werde keine weitere Zahl kommentieren. 

Premiere zahlt nur mehr, wenn es auch mehr Exklusivität bekommt. Im Free-TV wäre Fußball dann wohl samstags erst nach 22 Uhr zu sehen. 

Seien wir ehrlich: Wir alle wollen spannende Spiele und internationale Erfolge. Wo aber sollen die Budgets dafür herkommen? Bei den Eintrittspreisen ist die Bundesliga sicher die günstigste Top-Liga Europas – und das wird sie auch bleiben. Natürlich: Vollständige Exklusivität für einen TV-Anbieter kann es nicht geben. 

Eine weitere Geldquelle wäre die Auslandsvermarktung: Mit Fernsehrechten für das Ausland nimmt die englische Premier League mehr als 150 Millionen Euro im Jahr ein, die Bundesliga ganze 15 Millionen. Hat die Liga nicht jahrelang geschlafen? 

Dieser Rückstand ist möglicherweise nie mehr aufzuholen. Aber wir müssen es versuchen. Wir haben bei der DFL bereits die Märkte definiert, in denen wir stärker werden wollen, zum Beispiel Japan, die USA und Osteuropa. Nun stellt sich die Frage der Marktbearbeitung. In Japan ist etwa neben Bayern München auch der HSV – wegen seines japanischen Stürmers Takahara – sehr beliebt. In anderen Vereinen spielen osteuropäische Stars. Wir müssen gezielt vorgehen und die Kräfte bündeln. Das könnte auch so aussehen, dass die DFL künftig Bundesligavereine bei Auslandsauftritten in den definierten Märkten finanziell unterstützt und einen Budgetpool dafür einrichtet. 

Italiener, Briten und Spanier sind längst im Ausland präsent – die DFL hat nicht mal eine englische Web-Site... 

Ich kann dem leider nicht widersprechen. Nachteilig ist aber auch, dass die Bundesliga nicht die ganz großen Stars hat und die internationalen Erfolge in jüngster Zeit ausgeblieben sind. Bei unseren Planungen orientieren wir uns mittelfristig an der spanischen und der italienischen Liga, die über die Auslandsvermarktung 50 bis 60 Millionen Euro einnehmen. Das ist für die Bundesliga schon ein sehr ehrgeiziges Ziel. 

Wann präsentieren Sie einen General-Sponsor für die Liga? 

Das Thema haben wir auf der Agenda. In England zahlt die Barclays Bank für die Premier League etwa 30 Millionen Euro – und die findet ausschließlich im Pay-TV statt. Hier müsste also in Deutschland ein gewisses Potenzial vorhanden sein. 

Premiere-Liga klingt doch gut. 

Das ist jetzt schon sehr keck. 

Wie sind die Aussichten für die nächste Bundesliga-Saison? 

Ich rechne mit steigenden Einnahmen und einem neuerlichen Zuschauerwachstum von rund fünf Prozent – was wieder einen Rekord bedeuten würde. 

juergen.salz@wiwo.de, 

peter steinkirchner 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%