Archiv: Einfache Wahrheit

Stefan Baron über den Klimawandel 

Es ist so (schrecklich) einfach: Man wähle ein Anliegen, das alle gut finden. Zum Beispiel den Armen helfen. Oder: die Natur schützen. Wer kann dagegen etwas haben? Noch besser ist, die Natur bewahren und zugleich den Armen helfen. Das ist unschlagbar. 

So dachte wohl auch die britische Regierung, als sie Sir Nicholas Stern, Wirtschaftsprofessor und ehemaligen Chefökonom der Weltbank, mit einem Bericht über die finanziellen Folgen der Erderwärmung beauftragte. Das Ergebnis, das vergangene Woche erschien, machte rund um den Globus Schlagzeilen. Wenn die Welt nicht konsequent die Treibhausgase vermindere, so Sterns Fazit, drohe ihr ein ökonomisches Desaster, das sich allenfalls mit der Großen Depression und dem Zweiten Weltkrieg im vorigen Jahrhundert vergleichen lasse. 

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So was macht Eindruck und gräbt sich ins kollektive Gedächtnis ein – zumal in Deutschland, der grünen Weltmacht. Unser Umweltminister versuchte denn auch prompt, die Kunde zu nutzen, um mehr Macht und Geld zum „Aufbau einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft“ zu bekommen. Betonung auf ökologisch. 

Gott bewahre unser Land vor einer solchen Fehlinvestition! Den 700-seitigen Stern-Report hat offenbar niemand richtig gelesen. Einer, der es getan hat, der bekannte Klima-Ökonom Björn Lomborg, kommt zu einem vernichtenden Urteil: „einseitig“, „hastig zusammengestoppelt“, „voller Flüchtigkeitsfehler“, „falsche Schlussfolgerungen“, schrieb Lomborg in einer Rezension für das „Wall Street Journal“. 

Das Urteil ist wohl begründet: Unter Klima-Ökonomen war bis dato die Einschätzung des Yale-Professors und angesehensten Mitglieds der Zunft, William Nordhaus, Konsens. Danach kosten die Folgen der Erderwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Welt, wenn nichts dagegen unternommen wird. Kollege Stern kommt jetzt mithilfe allerlei Rechentricks und extrem pessimistischer Klimaszenarien auf einen Schaden von elf Prozent des BIPs bis 2100 und gar 20 Prozent bis 2180. 

Stern unterschätzt dabei sowohl die Lernfähigkeit der Menschen als auch die Preisentwicklung alternativer Energien. Er bläst aber nicht nur den durch die Erderwärmung zu erwartenden Schaden auf, sondern verkalkuliert sich auch mit seinem Therapievorschlag. Um das drohende Elend abzuwenden, fordert der Professor, jährlich ein Prozent des BIPs der Welt (etwa 450 Milliarden Dollar) zur Bekämpfung von CO2-Emissionen auszugeben. 

Das Geld wäre schlecht angelegt. Nach einer Schätzung der Uno lassen sich mit nur 75 Milliarden Dollar pro Jahr (nicht einmal so viel wie die USA gegenwärtig der Irakkrieg kostet) die schlimmsten Probleme beseitigen, die die Ärmsten der Welt viel akuter plagen. Demnach könnten mit der Summe eine Basis-Gesundheitsversorgung, sauberes Trinkwasser, ausreichende Ernährung, hygienische Mindeststandards und eine elementare Bildung für alle Menschen sichergestellt werden. 

Angenommen, dadurch ließe sich das Einkommen pro Kopf auch nur um zwei Prozent pro Jahr steigern, ginge es den Ärmsten der Armen in 100 Jahren um 700 Prozent besser als heute. Sterns Vorschläge zur Bekämpfung der Erderwärmung können nicht annähernd so viel Wohlstand schaffen. 

Was nicht heißt, dass das Problemdes Klimawandels zu missachten wäre.Es lässt sich allerdings viel billiger bekämpfen, als Stern dies empfiehlt. 95 bis 98 Prozent der Schadenszunahme infolge mehr und stärkerer Hurrikans in den USA entstünden, so Lomborg, weil immer mehr Menschen an immer riskanteren Plätzen siedeln. Und 80 Prozent dieser Schäden ließen sich durch solidere Häuser vermeiden. 

So einfach kann die Wahrheit sein. Und so unspektakulär. 

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