Archiv: Einziger Schlager

Christian Streiff » Der neue Airbus-Chef renoviert den Mittelstreckenjet A320. Nur mit einer Neuauflage des einzig verbliebenen Erfolgsmodells kann er verhindern, dass er nicht den Anschluss an den Erzrivalen Boeing verliert. 

Damit hat der neue Airbus-Chef nicht gerechnet. Der Ärger um Lieferverzögerungen beim Vorzeigemodell A380, um Ertragseinbrüche und interne Machtkämpfe hatten den europäischen Flugzeughersteller in die tiefste Krise seiner Geschichte getrieben. Doch als Christian Streiff, der 26 Jahre lang für den französischen Glas- und Baustoffkonzern Saint Gobain gearbeitet hatte, am Montag vergangener Woche zum Antrittsbesuch in die Konzernzentrale am Flughafen von Toulouse kam, war er angenehm überrascht. Mitten in den Wirren hatten die Airbus-Ingenieure damit begonnen, den A320, mit fast 1600 Bestellungen das wichtigste Airbus-Modell, zu überarbeiten. 

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Von 2009 an soll der verbesserte A320, Arbeitsname A320 Enhanced, ausgeliefert werden. Entscheidend für die Fluggesellschaften, die sich einen erbitterten Preiskampf liefern: Die Betriebskosten sind fünf Prozent niedriger als beim derzeitigen A320. Denn der Luftwiderstand ist geringer, das Flugzeug leichter und die Triebwerke effizienter. Sie kommen mit weniger Kerosin aus. Zudem ist die Wartung billiger. Erste Neuerungen bietet Airbus bereits 2007 an: Die Kabine des A320 wird mit größeren Gepäckfächern und einer angenehmeren Beleuchtung ausgerüstet. „Damit setzen wir einen neuen Maßstab“, sagt Airbus-Verkaufschef John Leahy. 

Die Renovierung ist trotz der knappen Kassenlage bitter nötig. Schließlich sind die fünf Typen der A320-Familie der einzig verbliebene Verkaufsschlager von Airbus und die letzte Hoffnung, dass der europäische Flugzeughersteller nicht endgültig den Anschluss an Boeing verliert. Gegen den Airbus-Riesen A380 will der amerikanische Erzrivale eine Neuauflage des legendären Jumbos 747 setzen. Mit dem sparsamen Langstreckenflieger 787 hat sich Boeing bereits gegen den A350 durchgesetzt. 

Und im ersten Halbjahr 2006 gingen für den Boeing-Klassiker 737 deutlich mehr Bestellungen ein als für den vergleichbaren Airbus-Flieger A320. Doch damit geben sich die Amerikaner nicht zufrieden. Schon arbeiten sie an der Entwicklung eines sparsameren 737-Nachfolgers. „Ein solches Modell ist nur dann erfolgreich, wenn die Betriebskosten mindestens zehn Prozent unter denen der Konkurrenz liegen“, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Mit den Neuerungen der Europäer dürften die Boeing-Forscher etwas länger brauchen. Und dann, so das Kalkül, hätte Airbus wieder genug Geld und Ingenieure, um zu kontern. 

ruediger.kiani-kress@wiwo.de 

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