Archiv: Endlich forschen

Dennis Snower » Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft krempelt die Organisation des Thinktanks um. 

Ein Jahr lang hat der „Kiel dialogue“ gedauert. Unter diesem Motto rief Dennis Snower, seit Herbst 2004 Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, zur Reform des Thinktanks auf. Die Mitarbeiter konnten ihre Ideen zum Umbau vortragen und diskutieren. Jetzt folgten den Worten Taten. Snower verordnet dem Institut die radikalste Organisationsreform der vergangenen drei Jahrzehnte. Als erstes der führenden wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute Deutschlands bricht das IfW die starren Abteilungsstrukturen auf und stellt seine Forschung auf programmatische Schwerpunkte um. 

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Vor allem die früheren Abteilungsleiter müssen bittere Pillen schlucken. Da es in Zukunft keine Abteilungen mehr gibt, verlieren sie ihre prestigeträchtigen Posten. Die einzelnen Forschungsbereiche werden nun direkt dem Präsidenten unterstellt. Mit der Neuorganisation kommt Snower den Forderungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) nach. Die Organisation, die dieLeistungen der Wirtschaftsforschungsinstitute bewertet, verlangt schon seit Längerem eine Umstellung auf Programmschwerpunkte. Das IfW hat seine Forschung daher in drei inhaltliche Schwerpunkte aufgeteilt: Globalisierung, öffentliche Güter und makroökonomische Aktivitäten. Für frische akademische Impulse sollen international anerkannte Ökonomen sorgen, die Snower demnächst als Programmdirektoren gewinnen will. Die lockere neue Organisation dürfte zwar dazu führen, dass die Mitarbeiter flexibler eingesetzt werden können als bisher. Kritiker fürchten jedoch, dass dies auf Kosten der Übersichtlichkeit und Transparenz der Zuständigkeiten geht. 

Ob die Neuorganisation geeignet ist, die Forschungsleistung der Mitarbeiter zu steigern, wird sich erst noch zeigen müssen. Der Druck auf die Kieler Wissenschaftler jedenfalls nimmt zu. So ist nicht nur der Wettbewerb mit den anderen Forschungsinstituten härter. Auch die Anforderungen der WGL an die wissenschaftlichen Leistungen der Institute sind gestiegen. Für die IfW-Ökonomen war es daher höchste Zeit, den monatelangen „Kiel dialogue“ zu beenden – um sich endlich wieder der Forschung widmen zu können. 

malte.fischer@wiwo.de 

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