„Erhebliche Lücke“

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Barmer » Vorstand Klaus Richter setztauf Rabatte von Pharmafirmen, um die Beitragssätze stabil zu halten. 

Herr Richter, die Barmer hat 2004 mit einem Plus von 600 Millionen Euro geschlossen. Wie sieht es 2005 aus? 

Die positive Bilanz aus 2004 werden wir so nicht wiederholen können, leider wird der Überschuss erheblich schrumpfen. Der Hauptgrund ist die Kostenentwicklung im Arzneimittelsektor. Dort rechnen wir für das Jahr mit einem Plus von 15 Prozent. Das ist erheblich. Dagegen werden die Einnahmen leicht sinken. Eine erhebliche Deckungslücke also, die zeigt, wie sehr der Gesetzgeber gefordert ist. 

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Was meinen Sie damit? 

Von Politikern wie auch von wissenschaftlicher Seite wird immer wieder eine steuerfinanzierte Familienversicherung gefordert. Dies brächte eine Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung von 14 Milliarden Euro. Außerdem müssen endlich die politischen Verschiebebahnhöfe, die zu Gunsten der Renten- und Arbeitslosenversicherung geschaffen wurden, beseitigt werden. 

Können Sie dieses Jahr die Beiträge stabil halten? 

Ja, dieses und nächstes Jahr. 

Wie soll das funktionieren? 

Wir werden mit einem Plus abschließen, und wir nutzen alle Möglichkeiten, um Qualität und Wirtschaftlichkeit in der medizinischen Versorgung zu stärken. 

Welche sind das? 

Da ist vor allem der Hausarzt- und Hausapothekenvertrag. Hier haben sich die Hausärzte verpflichtet, möglichst Generika zu verordnen. Nach gut fünf Monaten sind fast eine Million Barmer-Versicherte freiwillig beigetreten. Sie wählen einen Hausarzt als Lotsen und die Apotheke ihres Vertrauens. Beide können den Versicherten besser und effizienter betreuen. Wir gewinnen so Informationen über den Einsatz von Arzneimitteln, die uns helfen, mit unseren Partnern die Therapien zu verbessern und Gefahren durch Wechsel- und Nebenwirkungen auszuschließen. Ich gehe davon aus, dass wir binnen Jahresfrist erste positive Ergebnisse erreichen werden. 

Das wird kaum reichen, um die Bilanz auszugleichen. Die Hersteller von Nachahmer-Medikamenten geben Rabatte dafür, dass Hausärzte deren Arzneien verstärkt verschreiben. Was bringt das? 

Wir rechnen Ende des Jahres mit ersten Rabattzahlungen. Langfristig erwarten wir pro Jahr eine Summe im zweistelligen Millionenbereich. Zudem werden wir noch in diesem Monat mit einem Unternehmen, das zu den forschenden Arzneimittelherstellern gehört, eine Kooperationsvereinbarung unter Dach und Fach bringen 

Wird der Ihnen auch Rabatte einräumen – genauso wie die Generikahersteller? 

Es geht in erster Linie darum, gemeinsam Modelle zur besseren Versorgung der Patienten zu entwickeln. In bestimmten Segmenten des Sortiments wird es dabei auch Rabattvereinbarungen geben. 

Würde nicht eher mehr Wettbewerb im System zu Einsparungen führen? 

Auf jeden Fall müssen die Kassen Raum haben, um – ergänzend zu den Kollektivverträgen – Verträge mit den Ärzten und anderen Leistungserbringern zu schließen, die den Bedürfnissen der Versicherten entsprechen. Mit Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und Ärzten haben wir bereits 89 Integrationsverträge geschlossen, weitere 80 sind auf dem Weg. Von der vom Gesetzgeber vorgesehenen einprozentigen Anschubfinanzierung für integrierte Versorgungsverträge haben wir bereits 70,6 Millionen Euro, also 0,96 Prozent, eingesetzt. Das reicht aber nicht: Wir brauchen noch mehr innovative Gestaltungsmöglichkeiten im Vertragswesen. 

daniel.delhaes@wiwo.de | Berlin 

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