Archiv: Feindbildwackelt

Edeka » Monatelang verteufelte Konzernchef Alfons Frenk die Discounter. Nun hat er selber einen Billiganbieter. 

Bisher drängte sich Alfons Frenk nicht ins Rampenlicht. Seine Karriere trieb er zielstrebig, aber unspektakulär voran. Studierte Betriebswirtschaft, arbeite als Wirtschaftsprüfer, wechselte 1981 zur Edeka Minden-Hannover Holding, der größten Regionalgesellschaft der Edeka-Gruppe und übernahm 2003 den Vorstandsvorsitz der Edeka-Zentrale. Leise, aber wirkungsvoll baute er das Unternehmen – wie Rewe als Genossenschaft organisiert – um. Stärkte die Zentrale, entmachtete die Regionalgesellschaften und kann seither bei Herstellern schlagkräftiger auftreten. Jetzt steht er vor seiner wohl schwierigsten Aufgabe. Mit der Übernahme der SparHandels-AG erwirbt Edeka auch die Filialkette Netto. Ein Discounter, der ebenso wie die Billigläden Aldi, Plus und Penny bisher Frenks Feindbild Nummer eins war. 

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Wenn er gegen die Discounter zu Felde zog, wurde er schon mal laut. Noch im vergangenen Jahr startete er eine verbale Attacke gegen die Billigheimer. Aufsehen erregte seine Androhung, Hersteller wie Unilever bei Edeka auszulisten, wenn sie gleichzeitig Discounter beliefern. Ihnen, kritisierte Frenk, würden sie die gleichen hochwertigen Markenartikel anbieten wie Edeka – allerdings deutlich billiger. Die Netto-Kette wirbt sogar ausdrücklich damit, dass sie auch Markenartikel verkauft. Ihre Kunden lockt sie mit dem Spruch: „Netto Markendiscount“. Frenk muss einen Spagat schaffen: Einerseits prangert er die Bevorzugung von Discountern an, anderseits muss er nun selbst mit einer Discounter-Kette in die Offensive. Bisher rangiert Netto in Deutschland mit einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro und gut 1000 Filialen deutlich hinter Aldi, Lidl, Penny und Plus. Angreifen kann der 54-Jährige diese Schwergewichte nur mit Kampfpreisen – und dafür braucht er die Produkte der Markenartikelindustrie zu konkurrenzfähigen Preisen. 

mario.brueck@wiwo.de 

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