Archiv: Ferraris und Füller

Jean Todt liebt edle Autos und Schreib-geräte. Doch als Sammler möchte er nicht gelten 

Jean Todt, 58, seit 1993 Rennleiter bei Ferrari und seit diesem Jahr auch Generaldirektor, führte den italienischen Traumwagenhersteller wieder aufs Siegertreppchen: Mit Michael Schumacher als Fahrer wurde sein Team seit 2000 jedes Jahr in Folge Weltmeister. Seine Leidenschaft sind Ferraris, seine Liebhaberei Füllfederhalter. 

Herr Todt, was macht mehr Spaß, Weltmeisterschaftstitel zu sammeln oder exklusive Schreibgeräte? 

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Stifte zu kaufen macht Spaß, und es ist so herrlich einfach. Für die Weltmeisterschaft muss man schwitzen. Manchmal kann man trotzdem nicht gewinnen. 

Welche Gefühle überkommen Sie, wenn Sie etwas sehen, was sie wollen? 

Ich habe wenig Zeit für Gefühle. Wenn ich etwas sehe, was ich mag, kaufe ich es. Gefühle habe ich gegenüber Menschen. Und wenn wir ein Rennen gewinnen – welch ein Gefühl! 

Sie sammeln ja nicht nur Stifte... 

Ich liebe viele schöne Dinge. Auch Autos, Uhren, moderne Kunst. Aber ich würde mich nie einen Sammler nennen, das klingt nach „immer höher, immer weiter“. Ich mag das Wort Sammler nicht. Sammlertypen kennen kein Ende. Wer ein Sammler ist, hat ein Museum. Für mich ist das Sammeln keine Leistung. Ich mag einfach schöne Dinge, ohne System. 

Wie fing Ihre Liebhaberei für Schreibgeräte an? 

Ich bekam vor Jahren eine limitierte Sonderauflage von Montblanc geschenkt, 15 oder 20 Stück. Und seitdem schlage ich immer zu, wenn ich ein neues Modell von Montblanc oder Montegrappa sehe. Ich kann einfach nicht anders. Ich sammle aber nur Serien dieser beiden Firmen, die finde ich einfach toll und man muss sich schließlich beschränken. 

Wie viele Edel-Federn besitzen Sie? 

300 oder 400 etwa. Am liebsten benutze ich Füller. Da ich aber so viele davon habe und sie oft sehr lange ungebraucht herumliegen, ist die Tinte jedesmal ausgetrocknet, wenn ich schreiben will. 

Haben Sie ein Lieblingsstück? 

Leider habe ich meinen Liebling auf meiner letzten Reise durch China verloren. Das war eine Spezialanfertigung von Montblanc, natürlich in Ferrarirot. Ichbin traurig, dass er weg ist. Dafür bekam ich von meinem Freund Michael Schumacher zu meinem zehnjährigen Ferrari-Jubiläum ein tolles Geschenk: Je ein Unikat von Montblanc und von Montegrappa, nur für mich gefertigt. 

Ihre Sammlung soll ca. 100 000 Euro wert sein. 

Ich fürchte, es ist noch mehr. Ich weiß auch nicht, wie viel mein teuerstes Exemplar gekostet hat, es ist ein Füller aus Gold. Ich genieße es sehr, mir heute all diese schönen Dinge leisten zu können, für die ich früher kein Geld hatte. 

Warum, glauben Sie, sammeln Männer so gerne? 

Ich weiß nur: Der Unterschied zwischen einem Jungen und einem Mann ist der Preis seiner Spielzeuge! Männer lieben Autos – und wer eine Leidenschaft für Autos hat, mag meistens auch Uhren. Beide haben ja eine sehr komplizierte Mechanik. Das begeistert Männer. 

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