Festpreis für Handy-Kunden

Archiv: Festpreis für Handy-Kunden

E-Plus » Der Mobilfunker startet eine zweite Discountmarke: Base. Ab August kostet die Flatrate 25 Euro. Weitere Billigangebote sind in Vorbereitung. 

Uwe Bergheim mag es geheimnisvoll. Seit zwei Wochen lässt der E-Plus-Chef besonders kryptische Losungen plakatieren: „1. August – Tag der Deutschen Redefreiheit.“ Ein paar Meter weiter heißt es ähnlich: „Was ist ein Volk wert, das nicht spricht?“ Als Absender steht darunter: „Freedom of Speech“. Die Plakataktion soll die Neugier für einen Billigtarif wecken, den E-Plus in dieser Woche vorstellt. Am 1. August startet Bergheim eine zweite Discountmarke, die Vieltelefonierern die Angst vor hohen Handyrechnungen nehmen soll. Unter dem neuen Namen Base bietet E-Plus die erste Handy-Flatrate in Deutschland an. Für einen Pauschalpreis von 25 Euro pro Monat können Base-Kunden per Handy telefonieren, ohne dass der Gebührenzähler tickt. Im Preis enthalten sind alle Gespräche und Kurzmitteilungen (SMS) zwischen E-Plus-Kunden und ins Festnetz. Lediglich für Gespräche und den SMS-Versand in andere Mobilfunknetze fallen 25 Cent beziehungsweise 19 Cent pro Minute an. Base heißt die E-Plus-Schwestergesellschaft in Belgien, die dort bereits ein solches Produkt vermarktet. Ende Mai hatte Bergheim die Discounttochter Simyo gegründet, die Kunden, die ihre vorausbezahlte Guthabenkarte im Internet aufladen, einen Billigtarif ohne Handy und Service anbietet. Für 19 Cent pro Minute können Simyo-Nutzer rund um die Uhr in alle Netze telefonieren. 

Anzeige

Bis Ende 2006 will Bergheim mit diesen neuen Angeboten seine Kundenzahl – derzeit 9,7 Millionen – auf elf Millionen steigern und zusätzlichen Verkehr in sein kaum ausgelastetes Netz lenken. Experten zweifeln allerdings, ob diese Rechnung aufgeht. Die neuen Marken sind so eng an E-Plus angelehnt, dass überdurchschnittlich viele bisherige E-Plus-Kunden zum hauseigenen Discounter wechseln. Von den über 100 000 Simyo-Kunden, die zum Einheitstarif von 19 Cent telefonieren, kämen mehr als ursprünglich geplant von der Muttergesellschaft E-Plus, berichtet ein Branchenkenner. Bergheim will trotzdem an seinem Kurs festhalten. Noch in diesem Jahr sollen weitere Billigangebote folgen – etwa ein spezieller Tarif für in Deutschland lebende Türken. Vorbild ist wiederum die belgische Schwestergesellschaft Base. Unter der Marke Ay Yildiz bekommen in Belgien wohnende Türken einen Sondertarif mit einem Einheitspreis von 14 Cent pro Minute ins Festnetz und zu Base-Kunden. Bei Auslandstelefonaten wird die Türkei in den günstigeren Tarif (35 Cent) für Nachbarländer eingestuft. 

KPN-Chef Ad Scheepbouwer erwartet von Bergheim schnelle Erfolge. Analysten von Bear Stearns haben ausgerechnet, dass die E-Plus-Mutter KPN insgesamt 3,9 Milliarden Euro Steuern spart, wenn E-Plus bis spätestens 2008 verkauft wird. Bis dahin muss die Tochter soweit sein, dass sie einen hohen Verkaufserlös erzielt. Derzeit hat E-Plus nach Expertenschätzungen einen fairen Wert von 4,4 Milliarden Euro – deutlich weniger als vergleichbare Mobilfunker in Italien (Wind) und Spanien (Amena), die ihren Gesellschaftern gerade einen zweistelligen Milliardenerlös bringen. Allerdings liebäugelt der holländische KPN-Vorstand noch – anstelle eines E-Plus-Verkaufs – mit einer anderen Option: dem Kauf von Arcor, dem zweitgrößten Festnetzbetreiber in Deutschland. E-Plus könnte mit Arcor zusammengelegt werden, um Festnetz und Mobilfunk aus einer Hand anzubieten. Offiziell heißt es zwar, dass sich KPN „im Augenblick“ Arcor nicht anschaut. Doch das kann sich schnell ändern. 

juergen.berke@wiwo.de,sebastian schulte 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%