Archiv: Fettarm am Stiel

Früher musste Speiseeis nur gut schmecken. Heute darf es vor allem die Figur nicht ruinieren. 

Sprachen Lebensmittelhersteller vor zwei Jahren über wichtige Trends beim Speiseeis, ging es überwiegend um den Genuss. Gaumenerschütternde Sorten mit Borretsch-Geschmack und Käse-Aroma sollten den in Deutschland stagnierenden Markt beleben. Unilever erregte Aufsehen, als der Marktführer sein Langnese Magnum Eis unter dem Slogan „7 Sünden“ bewarb und das Eis auch so nannte: Eitelkeit, Wollust stand auf den Packungen, und was sich sonst so an Sekundär-Untugenden anbot. Ein Magnum, unter dessen Mantel aus weißer Schokolade sich zusätzlich eine dicke Schicht Vollmilchschokolade verbarg, hieß Völlerei. 

Das war einmal. Der Markt stagniert weiter mit geringem Auf und Ab. Aber neue Sorten in den Supermärkten und an den Freibad-Shops sind plötzlich vor allem eines: fettarm. Nestlés Eissparte Schöller trägt dem Schlankheits- und Gesundheitsbedürfnis mit dem Joghurt- und Buttermilcheis Frubetto Rechnung. Unilever hält dagegen mit Sorten wie Solero orange fresh fettfrei und Cremissimo mit reduziertem Fett- und Kaloriengehalt. Und mit Magnum light. Alles, was zumindest dem Anschein nach nicht dick macht, sagt Beate Brünig, Geschäftsführerin beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie, ist „der Renner der Saison“. Der Fettanteil in den meisten der fettarmen Sorten liegt inzwischen bei drei Prozent. Fettreduziert kann aber auch bedeuten, dass der Anteil – wie bei der Nestlé Sorte Mövenpick Maple Walnut – bei 10,6 Prozent liegt. Vorher waren es noch 15,3 Prozent. 

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Auch der Newcomer der Branche, Roncadin aus Osnabrück, setzt auf Magerkost: Fit for fun frozen jogurt etwa „mit erfrischendem Fruchtüberzug“ in den Geschmacksrichtungen Erdbeer und Banane. Heuschrecken-Eis, könnte man sagen. Denn das dem Endverbraucher weit gehend unbekannte Unternehmen, das Eis unter Namen wie Landliebe und Dr. Oetker vermarktet und No-Name-Ware für die Discounter herstellt, gehört dem US-Finanzinvestor Oaktree Capital. Deren Speiseeis-Sparte wächst durch Zukäufe rasant. Roncadin hat in diesem Jahr die Schröer Eis aus Haltern und das Eisgeschäft der Nordmilch übernommen, zu der wiederum die Eis-Vertriebslizenzen von Masterfoods inklusive der Marken Bounty und Dove gehören. 

Viel Arbeit haben die Produktentwickler in das Ziel investiert, die fettarmen Eissorten schmackhaft zu machen. Der Geschmacksträger Fett wird zum Teil durch neue Verfahren ersetzt. Nestlé nennt seines Conchieren. Das Eis wird dabei unter ständigem Rühren von minus vier auf bis zu minus 14 Grad abgekühlt. Die dabei entstehende Masse sehr kleiner Eiskristalle und winziger Luftblasen hat nach dem Aushärten trotz eines um 30 bis 40 Prozent geringeren Fettanteils die gewünschte cremige Konsistenz und einen vollen Geschmack. 

harald.schumacher@wiwo.de 

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