Flüssige Alleskönner

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Sie sollen Spritsparen und lang halten: Moderne Motorenöle müssen mehr als nur schmieren. 

Viele Autofahrer erinnern sich noch gut an die Zeiten, als der Händler ihnen riet, dem neuen Wagen nach 1000 Kilometern einen Ölwechsel zu spendieren, um Verunreinigungen aus dem Motor zu spülen. Und der nächste Wechsel war oft schon wenige Tausend Kilometer später fällig. Mehr als 10 000 bis 20 000 Kilometer mit einer Ölfüllung erlaubte noch vor wenigen Jahren kaum ein Hersteller – heute sind bis zu 50 000 Kilometer möglich. Das spüren inzwischen auch die Ölhersteller: „Die Intervalle der Ölwechsel wurden kontinuierlich ausgedehnt, das macht sich im Absatz bemerkbar“, heißt es beim Mineralölwirtschaftsverband. 

Denn die Motoren verbrennen sauberer, und die Schmierstoffe leisten mehr. Moderne Vollsynthetiköle haben mit der zähflüssigen Suppe von einst nicht viel gemeinsam. Sie laufen leichter, können Schmutzpartikel im Motor besser binden und sind temperaturbeständiger. Das müssen sie auch. Denn die heutigen Automotoren drehen höher, arbeiten unter hohem Druck und reagieren deshalb auch empfindlicher auf schlechte Ölqualität als ihre Vorgänger. 

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Für gutes Öl sprechen überdies wirtschaftliche Argumente: Leichtlaufende Synthetiköle sparen Sprit. Das bestätigt der ADAC. Nach Tests des Automobilclubs ist im Stadtverkehr ein zwischen vier und sechs Prozent geringerer Benzin-verbrauch drin. Auf der Autobahn sinkt das Sparpotenzial allerdings auf zwei Prozent und weniger. „Jeder muss selbst ausrechnen, ob sich das wirklich lohnt“, sagt Andrea Gärtner aus der Abteilung Fahrzeugtechnik des ADAC. Senkt man bei einer Jahresfahrleistung von 30 000 Kilometern den Verbrauch von 8 auf 7,6 Liter, ergibt sich bei einem Spritpreis von 1,30 Euro eine Ersparnis von 156 Euro. Dem stehen jedoch die höheren Kosten für das Öl gegenüber. Sind einfache mineralische Öle heute im Baumarkt schon für weniger als zwei Euro pro Liter zu haben, schlagen die vollsynthetischen Öle zum Teil mit dem Fünf- bis Zehnfachen zu Buche. 

High-Tech-Schmierstoffe sind daher vor allem bei der Reduzierung der Ölwechsel interessant. VW hat einen Longlife-Service eingeführt, der Ölaustausch erfolgt dabei in längeren, flexiblen Abständen. „Man sollte die Intervalle aber nicht eigenmächtig verlängern“, rät ADAC-Expertin Gärtner. Sonst können Garantieansprüche verfallen – nicht jeder Motor profitiert von teuren Schmierstoffen. 

Bei hohen Drehzahlen und Temperaturen und kann die Schmierfähigkeit in älteren Motoren nachlassen. Auch der Umstieg von einfachen Ölen auf Synthetik kann kontraproduktiv sein: Bei älteren Motoren gibt es oft Ablagerungen, die sich beim Umstieg lösen können. Dann muss man das teure Öl schon bald wieder wechseln. Der ADAC rät daher, sich an die Empfehlung der Hersteller zu halten: „Es muss gar kein teures Öl sein.“ 

oliver voß | unternehmen@wiwo.de 

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