Französische Offensive

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Thales » Der Rüstungs-elektronik-Konzern will die deutsche Atlas Elektronik übernehmen – am liebsten gemeinsam mit ThyssenKrupp. 

Jean-Georges Malcor hatte es eilig. Der Marinevorstand des französischen Rüstungselektronik-Unternehmens Thales flog am Mittwochnachmittag vergangener Woche von Paris nach Düsseldorf zu ThyssenKrupp-Vorstand Olaf Berlien. Malcor macht kein Hehl daraus, dass er sich nur allzu gern mit den Deutschen verbünden würde. 

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Nur in einer Allianz mit ThyssenKrupp hat Thales eine Chance, den Zuschlag bei dem zum Verkauf stehenden Bremer Marinespezialisten Atlas Elektronik zu bekommen. „Wir sind bereit, Garantien für die Arbeitsplätze zu geben und Bremen zu einem weltweiten Marinezentrum zu machen“, sagt Malcor. Die Bundesregierung ist jedoch skeptisch. Sie könnte im Rahmen des Außenwirtschaftsgesetzes ein Veto einlegen. Atlas ist ein echtes Juwel der deutschen Industrie. Der Mittelständler, der 2005 auf einen Umsatz von 351 Millionen Euro kommen wird, ist Weltmarktführer bei der Ausrüstung konventioneller U-Boote mit elektronischen Führungs-, Sonar-, Torpedo- und Minenabwehrsystemen. Unter den sieben Bewerbern, die in der Endauswahl sind, befinden sich auch EADS und ThyssenKrupp. Atlas ist ein Hauptlieferant des weltweit führenden U-Boot-Herstellers HDW, der zu ThyssenKrupp gehört. 

Ein Bündnis mit ThyssenKrupp wäre für Thales ideal. Es würde wohl mögliche Berliner Bedenken ausräumen und zudem die Tür zu der von den Franzosen angestrebten Werftenallianz mit den Deutschen öffnen. Thales hat es auch aus einem anderen Grund eilig. Durch die Bildung eines weltweit führenden Werftenkonzerns könnte Thales-Chef  Denis Ranque die Pläne von EADS-Co-CEO Noël Forgeard, der Thales nach wie vor gern übernehmen würde, zunichte machen. Die Entscheidung über den Käufer soll spätestens im Oktober fallen. 

gerhard.blaeske@wiwo.de | Paris 

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