Archiv: Frauen power

Ob Regierungschefin oder Konzernlenkerin – Frauen in Top-Positionen der Weltwirtschaft sind auf dem Vormarsch. Die WirtschaftsWoche stellt die 50 mächtigsten Frauen vor. 

Das Davos der Frauen liegt nicht in den Bergen, sondern an der See. Deauville, ein Seebad in der Normandie mit breitem Sandstrand, prächtigen Villen und mondänem Jachthafen, war Ende der vergangenen Woche Treffpunkt für rund 500 Top-Managerinnen aus aller Welt. Wie beim Weltwirtschaftsforum in der Schweiz diskutierten hier Frauen wie Areva-Chefin Anne Lauvergeon, Lucent-Vorstandsvorsitzende Patricia Russo oder Bain-Bossin Orit Gadiesh über interkulturelles Management, Globalisierungstrends und Megacitys. 

Auf der Agenda standen aber noch ganz andere Themen. Etwa, was Unternehmerinnen erfolgreich macht. Oder die künftige Rollenverteilung von Mann und Frau in der Gesellschaft. Oder, ob Quoten für weibliche Führungskräfte tatsächlich der Gleichberechtigung dienen. „Es wird Zeit, dass wir Frauen uns zusammentun und unsere Stimme erheben“, sagt Agnès Touraine, Pariser Unternehmensberaterin und Mitgründerin des „Women’s Forum for Economy & Society“ in Deauville. 

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Die Frauen sind auf dem Vormarsch – und immer häufiger kommen sie auch bis ganz nach oben. Ohne sie liefe in der globalen Wirtschaft nichts mehr. In Deutschland regiert Bundeskanzlerin Angela Merkel, in China bestimmt Wu Yi als stellvertretende Premierministerin die Außenhandelspolitik, und in Frankreich strebt die Sozialistin Ségolène Royal das Präsidentenamt an. 

Auch in den Unternehmen gelangen immer mehr Frauen in die Position des Vorstandschefs, auch Chief Executive Officer (CEO) genannt: Die Inderin Indra Nooyi leitet seit Kurzem den US-Getränkeriesen PepsiCo, die Japanerin Tomoyo Nonaka saniert den Elektronikkonzern Sanyo, und die Amerikanerin Angela Ahrendts hält das britische Modehaus Burberry auf Wachstumskurs. 

Grund genug für die WirtschaftsWoche, die 50 mächtigsten Frauen der Weltwirtschaft vorzustellen. Macht bedeutet dabei nicht unbedingt, dass die Managerin oder Politikerin weit vorn im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. Manche von ihnen ist in der zweiten Reihe – hält aber die Fäden in der Hand. Oder lenkt als Vorstand oder Bereichsleiterin Milliardengeschäfte der Konzerne. Wie Barbara Kux. Die Chefeinkäuferin des Elektronikriesen Philips verantwortet ein Einkaufsvolumen von rund 20 Milliarden Euro. Sie entscheidet damit an zentraler Stelle über Ertragslage und Unternehmenswert. 

Unter diesen 50 Frauen dominieren die Amerikanerinnen. Denn die USA haben – mit Ausnahme der skandinavischen Länder – den höchsten Frauenanteil im Top-Management: 16,4 Prozent der Vorstände der 500 größten US-Konzerne sind weiblich, so die Berechnung von Catalyst, der New Yorker Förderorganisation für Frauen. „In den USA haben Gesetze und Prozesse dafür gesorgt, dass Leute mit der nötigen Ausbildung und Lust auf Karriere auch eine Chance bekommen. Davon haben » die Frauen besonders profitiert“, sagt Myra Hart, Professorin an der Harvard Business School. 

In den meisten US-Konzernen gibt es sogenannte Diversity-Programme, die Frauen und ethnische Minderheiten fördern. General Electric (GE) etwa hat seit 1998 ein eigenes Frauennetzwerk. Die GE-Managerinnen tauschen dort ihre Erfahrungen aus und finden Mentorinnen. Die Initiative zeigt erste Erfolge: Vor acht Jahren waren erst sechs Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt, heute ist der Anteil mehr als doppelt so groß. 

Und es gibt noch weitere Gründe, warum Frauen auf dem Vormarsch sind: Die Unternehmen können es sich nicht länger erlauben, die halbe Menschheit von ihrem Managementpool auszuschließen. Besonders in den westlichen Industrieländern werden angesichts der demografischen Entwicklung die Talente knapp. 

Aber Frauen sind weit mehr als eine industrielle Reservearmee in Zeiten sinkender Geburtenraten. Die Managerinnen und Politikerinnen der WirtschaftsWoche-Liste bringen wichtige Eigenschaften mit, die sie für Top-Jobs qualifizieren. So fallen viele durch eine enorme Zielstrebigkeit, Effizienz und Offenheit auf. Linda Cook etwa, Vorstandsmitglied beim Ölkonzern Shell, beantwortet die Frage nach dem Geheimnis ihres Erfolges mit einem chinesischen Sprichwort: „Ich bin durch Glück und harte Arbeit dorthin gekommen, wo ich heute bin – je härter ich arbeite, desto mehr Glück habe ich.“ Viele der Frauen haben Kinder, bringen die verschiedenen Lebensbereiche erfolgreich unter einen Hut – und profitieren von diesen Erfahrungen in ihrem Job. 

Zudem wird es für Unternehmen immer wichtiger, die weibliche Kundenbasis in der Besetzung von Top-Positionen widerzuspiegeln. „Je mehr weibliche Verbraucher sie haben, desto eher achten Unternehmen darauf, wie viele Managerinnen sie beschäftigen“, beobachtet Catalyst-Präsidentin Ilene Lang. Besonders viele Spitzenfrauen in der WirtschaftsWoche-Liste arbeiten denn auch in Branchen, die mit den Konsumenten in direktem Kontakt stehen: der Konsumgüterindustrie, dem Mediengeschäft und den Finanzinstituten. 

Susan Arnold etwa leitet die Sparte Kosmetik und Gesundheit beim Konsumgütermulti Procter & Gamble und ist damit Herrscherin über rund 100 Marken (darunter Wella, Oral B, Cover Girl). Mary Minnick, Marketingvorstand bei Coca-Cola, verkauft den gesundheitsbewussten Konsumentinnen Fitnessgetränke. Und beim britischen Ableger des Verlagshauses Random House hat Chefin Gail Rebuck auch die weiblichen Leser im Blickfeld. 

Und noch einen Trend gibt es unter den ausgewählten 50 Frauen: Viele von ihnen kamen in Krisenzeiten ans Ruder der Macht. Die Japanerin Nonaka übernahm die Leitung bei Sanyo, dem schlimmsten Sanierungsfall in der japanischen Elektronikindustrie. Sie bezeichnet ihren Job denn auch als „den schwersten der Japan AG“. Kaum auf dem Chefsessel von Wolters Kluwer, musste auch Nancy McKinstry dem niederländischen Wissenschaftsverlag eine Radikalkur verordnen. Eine Studie der britischen Universität Exeter bestätigt, dass Managerinnen häufig dann den Chefposten bekommen, wenn ein Unternehmen in der Krise steckt und die Gefahr des Scheiterns entsprechend groß ist. 

Eine Top-Frau, die ihr Unternehmen vor fünf Jahren ebenfalls vor dem Bankrott gerettet hat, ist Xerox-Chefin Anne Mulcahy. Die 53-Jährige an der Spitze des Kopiererherstellers setzt heute auf Managerinnen: „Als CEO sorge ich dafür, dass gute Frauen bei Xerox in Führungspositionen kommen.Wir brauchen mehr Frauenpower.“ 

annette.ruess@wiwo.de 

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