Archiv: Friedliche Mission

Sony » Der designierte Vorstandschef Howard Stringer steht vor einem Kompromiss im DVD-Streit. 

„Es gilt, einen teuren Systemkrieg zu vermeiden“, lässt Ex-Vietnamkämpfer Howard Stringer bereits verkünden. Noch bevor der 63-Jährige am 22. Juni als Chairman und CEO offiziell das Kommando bei Sony übernimmt, will er die ruinöse Schlacht um einen einheitlichen Standard für die nächste DVD-Generation beenden. Die Chancen für eine friedliche Lösung stehen gut. Im Grundsatz, verlautet in diesen Tagen aus Bankenkreisen in Tokio, seien sich die Parteien schon einig. 

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Jetzt geht es um die Details. Von New York aus dirigiert Stringer die Verhandlungen. Von hier aus will er künftig auch die weltweit 150 000 Sony-Mitarbeiter führen. Der gebürtige Waliser und amerikanische Staatsbürger, 1999 von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen, ist der erste Ausländer, der an die Spitze des japanischen Elektronikkonzerns rückt. 

Schon damit schreibt Stringer Unternehmensgeschichte. Mit einer Einigung im DVD-Streit würde er ein weiteres Signal setzen. Denn der Konflikt hat die Branche gespalten und behindert das Geschäft. Sony hat sich mit mehr als 100 Hardwareherstellern verbündet,darunter der Elektronikkonzern Matsushita Electric Industrial (Panasonic), der südkoreanische Aufsteiger Samsung und der Computerriese Dell. Gemeinsam wollen sie die Blu-Ray-Disc-Technik durchdrücken, während Toshiba mit 83 anderen Unternehmen wie NEC und Intel die HD-DVD-Entwicklung favorisiert. 

Auch die Filmindustrie ist zerstritten. Das technisch anspruchsvollere System Blu-Ray wird von den Studios Sony Pictures, Twentieth Century Fox, MGM und Walt Disney bevorzugt. Hingegen sprechen sich Warner Brothers, Paramount und Universal für die Toshiba-Technologie HD-DVD aus, die in der Herstellung deutlich billiger, aber in der Speicherqualität schlechter sein soll. 

Bei seiner Friedensmission helfen Stringer seine alten Kontakte. 1965 heuerte er beim TV-Sender CBS an, 1997 ging er zu Sony, sanierte das Kinogeschäft und fädelte im vergangenen Jahr für den Konzern den Kauf der MGM-Studios ein. Der Druck auf eine Einigung wächst zusehends. Denn so lange nicht erkennbar ist, welcher Standard sich durchsetzt, zögern die Kunden weltweit, DVD-Rekorder zu kaufen. In der Sparte Elektronik, in der Sony zwei Drittel seines Umsatzes erzielt, fiel im vergangenen Geschäftsjahr ein operativer Verlust von 250 Millionen Euro an. „Ohne Inhalte“, sagt Stringer, „ist ein Gerät eben nur Elektronikschrott.“ 

Auch die Filmindustrie, wichtigster Lieferant von Inhalten, mahnt zur Eile. Schließlich verdient Hollywood am Verleih und Verkauf von DVDs längst mehr als an den Kinokassen. Steht der DVD-Kompromiss, dürfte das DVD-Geschäft noch stärker anziehen. Zumal Hits wie „Ocean’s Twelve“ und „The Bourne Supremacy“ zu Weihnachten auf den Markt kommen sollen. 

angela.koehler@wiwo.de | Tokio 

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