Archiv: Fu ß ballen-Star

Für seine Kunst der Pediküre liegt dem FranzosenGonzalez die Welt zu Füßen. 

Ein wahrer Meister seines Faches ist sich seines Marktwertes stets bewusst. Rund 1 500 Leute hat der französische Podologe und Star-Pedikürist Bastien Gonzalez auf seiner Warteliste, manche warten bis zu zwei Jahre lang auf seine hoch gelobte Fußbehandlung. Manchmal, wenn der Ansturm aus den Fugen gerät, sagt der 31 Jahre alte Franzose auch schon mal kurzerhand einen Auftritt ab. So geschehen unlängst, als Monsieur Bastien vom absurden Gedränge auf seiner New Yorker Warteliste erfuhr: Mit der Desinvolture des Virtuosen cancelte er sein US-Engagement. 

Was die Berühmten und Reichen schon seit Jahren dazu bewegt, den nonchalanten Franzosen aus der Auvergne First Class oder per Privatjet in ihre Landsitze einzufliegen, ist sein legendäres Händchen für zarte Füße. Einmal Bastien, immer Bastien. Die Kunden singen wahre Lobeshymnen über die wundersamen Wirkungen des von Gonzalez entwickelten, medizinisch fundierten Pflegeprogramms für geplagte Füße. 

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Um die Zehennägel von Verfärbungen und Rillen zu befreien, verwendet Bastien beispielsweise einen sonst nur bei Zahnärzten üblichen, mit Diamantstaub ausgerüsteten Drill: „Wenn man zu stark feilt, entzündet sich die Haut, und das bedeutet Pilzgefahr“, sagt der Fußpfleger. Marmorstaub und eine abschließende Wildlederpolitur verleihen den Nageloberflächen einen perlmuttähnlichen Schimmer, der jeden Lackauftrag in den Schatten stellt. 

Wer unter Gonzalez' sanften Händen die natürliche Schönheit der eigenen Füße wiederentdeckt, läuft mit fliegenden Fahnen zu ihm über. Hühneraugen behandelt er mit einem Skalpell, von den schützenden Hornschichten feilt er maschinell nur die Oberfläche ab, verwöhnt die Füße mit hydrierendem Rosmarin- und Salbei-Öl und gönnt dem Bein bis zum Knie hinauf eine intensive Massage. 

Beim Stichwort Reflexologie hingegen rümpft der Pedikürist die Nase – und dies obwohl er auch in dieser Disziplin diplomiert ist. Er hält sie eher für eine Pseudowissenschaft, einen Vorwand konservativer Kulturen, der den Praktikanten dazu dient, weibliche Füße ungestraft berühren zu dürfen. Dabei stellt er die psychosomatischen Wirkungen der Reflexzonen-Behandlung nicht notwendig in Zweifel. Gerade Menschen, die in der Öffentlichkeit immer positiv strahlen müssten, seien zu solcher Anstrengung leichter fähig, wenn man ihnen vorher Rücken und Füße massiert. 

Während der Franzose die Ballen knetet und rigoros an den Zehen zieht, gibt er der Kundin praktische Tipps, bringt eine Zahnbürste zur Reinigung des Nagelbetts ins Spiel, rät zu Talkumpuder und macht Lust auf Do-it-yourself-Massage: Um Zehen und Ballen nach allzu langen Stilettostunden wieder in Form zu bringen, sagt Gonzalez, genüge es, sie je 20 Sekunden lang vor dem Schlafengehen zu drücken und zupfen. Dadurch würden die meisten Traumata der modernen Städterfüße beseitigt. Sein Einfühlungsvermögen verdankt der einstige Skilehrer einem Sturz, dessen Folgen noch heute nachwirken. Während ein Arzt das demolierte Bein in einem sechsmonatigen Klinikaufenthalt wieder zusammenflickte, begann der Rekonvaleszent sich für die Geheimnisse dieser Heilkunst zu interessieren. Er absolvierte eine dreijährige Ausbildung in ästhetischer und medizinischer Fußpflege und etablierte sich mit 23 Jahren als Podologe und Pedikürist an der Pariser Place des Vosges, einem der städtebaulichen Höhepunkte der Seine-Metropole. 

Gonzalez' erste Kunden waren vor allem Landsleute aus der Auvergne – Bistro-Wirte und Kaffeehauskellner, von denen viele in der französischen Hauptstadt traditionell aus dem Massif Central stammen. Nachdem er seine Fertigkeiten an den geplagten Extremitäten der Pariser Servierbrigaden getestet hatte, widmete er sich verstärkt den runway-gequälten Füßen der Models im eleganten Pariser Hotel Costes. Zufällig stammte auch der Hotelier Costes aus der Auvergne. Landsmannschaft verpflichtet: „Er hat mir ganz selbstverständlich die Türen geöffnet.“ 

Der Pedikürist kam im rechten Moment – es war die Zeit der Defilees, und unter den Gästen gab es jede Menge fußwunde Modeschönheiten, die sich nicht nur als dankbare Kunden, sondern auch als die exklusivsten Werbeträger erwiesen. Ihre Mundpropaganda katapultierte den Einsteiger geradewegs in den Jetset. 

Einen klaren Kopf, gesteht Gonzalez, habe er in den Gefilden des Luxus nur deshalb behalten, weil er im Gegensatz zu seinen Kunden immer bei der Arbeit war und sein Ziel nie aus den Augen verlor: Mit 40 möchte er so gut dastehen, dass er eine Schule für Fußpflege nach seinen eigenen Methoden eröffnen kann. 

Ein Termin um drei Uhr morgens? Pas de problème! „Ich bin ja sowieso ständig zwischen den Zeitzonen unterwegs“, sagt der Prince Charming der Füße. Solche Toleranz gegenüber den exzentrischen Ansprüchen der Top-Klientel brachte ihm Stammkunden wie Naomi Campbell und Aerin Lauder ein. „Für einen Termin mit Frau Lauder müssen ihre Geschäftsführer lang anstehen“, sagt das Glückskind, „ich werde sofort vorgelassen, und während ich mich um die Elastizität ihrer Fußballen kümmere, bekomme ich noch kostenlose Geschäftsberatung“, freut sich Gonzalez. – Madonna dagegen ließ er abblitzen; man konnte sich nicht auf einen Termin einigen. 

Solche Kaltblütigkeit gegenüber den Großen verdankt der Franzose nach eigenem Bekenntnis einer glücklichen Kindheit, in der eine kluge Großmutter die Hauptrolle spielte. An der alten Dame habe er schon damals als Junge studiert, wie sich Nägel im hohen Alter in jungfräulichen Zustand zurückversetzen lassen. 

Stress scheint bei dem rührigen Franzosen gar nicht erst aufzukommen: „Ich arbeite 14 Stunden pro Tag sieben Tage in der Woche“, freut sich der Fußballen-Star. Für ihn kann es nichts Schöneres geben: „Wer hat schon das Privileg, den lieben langen Tag die Füße schöner Frauen in Händen halten zu dürfen?“ 

Ingeborg Harms 

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