Archiv: Ganz in Schale

Nüsse sind gesund und machen viele Süßigkeiten schmackhaft. Der Kampf um die Rohstoffpreise aber ist brutal. 

Vergoldete und versilberte Nüsse schmückten schon im 17. Jahrhundert die ersten Weihnachtsbäume. Und auch heute gehören Wal- und Kokos-, Hasel- und Paranuss wie selbstverständlich zum Weihnachtsfest. Abgesehen von ihrem großen Auftritt im Dezember spielen sie auch das ganze Jahr über eine wichtige Rolle in unserer Ernährung. Meist finden sich die Nüsse allerdings aufgerieben in Keksen und Kuchenteig, in Schokolade und anderen Süßwaren. Allein für ihre Produkte Nutella und Hanuta verarbeitet etwa die Ferrero Deutschland GmbH pro Tag 50 Tonnen Haselnüsse. 

Der globale Handel mit den kleinen Kalorienbomben allerdings ist ein knallhartes Geschäft. Beispiel Haselnüsse: Sie werden vor allem aus der Türkei und Italien importiert und erlebten in den vergangenen Jahren einen explosionsartigen Preisanstieg. „Die ganze Süßwarenbranche hat darunter gelitten“, sagt Ferrero-Deutschland-Chef Dietmar Kendziur. Der Grund für die Preissprünge waren nicht nur schlechtere Ernten, weiß Roland Berndt, Geschäftsführer der Nusshandelsgesellschaft Max Kiene in Hamburg, „sondern Manipulationen“. Der Waren-Verein der Hamburger Börse beschreibt das in seinem jüngsten Jahresbericht: Im Herbst 2004 lagen die Preise für türkische Haselnusskerne noch „auf sehr hohem Niveau“ – aber stabil – bei 7000 US-Dollar pro Tonne. Anfang 2005 nahmen laut Waren-Verein „die türkische Kooperative Fiskobirlik und einige Haussiers die Chance eines knappen Marktes wahr“ und trieben die Preise auf über 11 000 US-Dollar. 

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Das Prinzip ist einfach: Durch massive Aufkäufe verknappen die Spekulanten die Ware. Ist der Preis oben, verkaufen sie die gehorteten Mengen und sahnen ab. Fiskobirlik geriet allerdings Ende 2005 selbst in Schwierigkeiten. Prompt hörten die Manipulationen auf, der Haselnusspreis sank auf moderate 5000 US-Dollar. Der Verbraucher bekommt von alledem nichts mit und wundert sich nur, warum die Tafel Schokolade mal zehn Cent mehr oder weniger kostet. Den Preisanstieg des Marzipan-Rohstoffs Mandeln hingegen – die Schalenfrüchte kommen vor allem aus den USA und Spanien – erklärt Experte Berndt mit dem anhaltend hohen Verbrauch. Und dass eine Tonne Erdnüsse nicht mehr wie 2004 rund 700 Dollar, sondern 1000 Dollar kostet, hat tatsächlich natürliche Ursachen: Die Hauptexporteure Argentinien und USA klagen über die schlechteste Ernte seit 1980. Die Preisschwankungen hatten wenig Einfluss auf das Verhalten der Verbraucher. Seit 20 Jahren ist der Anteil der Lebensmittelaufwendungen für Nüsse unverändert. Was die Verbraucher überzeugt: Die Baumsamen sind nicht nur lecker, sie enthalten auch einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren – das ist gut fürs Herz und die Gefäße. 

harald.schumacher@wiwo.de 

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