Archiv: Garantiengefordert

Hartmut Mehdorn »  Dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn steht neuer Ärger ins Haus – diesmal aus Dänemark. 

Für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn häufen sich die schlechten Nachrichten. Nach Streit um den geplanten Börsengang, dem Ärger um den Berliner Hauptbahnhof und dem Verlust des milliardenschweren Prestigeauftrags für den Betrieb des digitalen Polizeifunks verzögert sich nun der Verkauf der Fährgesellschaft Scandlines. Sie gehört je zur Hälfte der Deutschen Bahn und dem dänischen Staat. Beide sind sich einig, dass die Reederei veräußert werden soll. Dennoch kommen sie nicht voran. 

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Bis Ende dieses Jahres sollte der Verkauf abgewickelt sein, hieß es noch vor wenigen Wochen. Doch jetzt räumt der dänische Verkehrsminister Flemming Hansen ein: „Es zieht sich länger hin.“ Das Thema ist inzwischen so heikel, dass es beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Dienstag in Kopenhagen auf keinen Fall erwähnt werden soll. 

Bereits seit Jahren wollen sich die Partner von der Fährlinie trennen. Doch anders als die Dänen will Mehdorn nicht an den Meistbietenden verkaufen, sondern muss auf die Politik Rücksicht nehmen. Etwa 1200 der 2600 Scandlines-Beschäftigten arbeiten in Deutschland – in erster Linie in wirtschaftlich schwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern. 

Potenzielle Käufer sind derzeit noch der britische Kapitalfonds 3i sowie das Konsortium Baltic Ferry Development, das aus der Allianz Capital Partners, der Deutschen Seerederei (DSR) und der dänischen LD Equity besteht. Es bietet rund 1,5 Milliarden Euro, die Briten würden ein paar Millionen mehr zahlen. Allerdings soll die Gruppe um DSR umfassendere Jobgarantien abgegeben haben, weshalb sich der Bahn-Aufsichtsrat Anfang Dezember für deren Gebot ausgesprochen hat. 

Die Dänen äußern sich dazu nicht. Bei einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent spielen Jobgarantien für sie keine Rolle. Zwar bevorzugt die Regierung dem Vernehmen nach einen schnellen Abschluss. Dennoch will sie sich nicht dem deutschen Wunsch beugen, da die oppositionellen Sozialdemokraten in Dänemark fordern, dass das höchste Gebot den Zuschlag erhält. Deren Stimmen sind zwar für die Entscheidung nicht nötig. Doch die Regierung hofft, sich so die Hilfe der Sozialdemokraten für andere Vorhaben zu sichern. 

clemens bomsdorf | mdw@wiwo.de 

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