Archiv: Gegen den Trend

Eric Schmidt ist ein erklärter Gegner von Telearbeit. Das sagte er schon, als ich vor viereinhalb Jahren Schmidt erstmals interviewte. Schmidt war gerade zum neuen Chef von Google befördert worden. In den Jahren davor, als CEO des Netzwerkunternehmens Novell und als Technologiechef von Sun, hatte er die Telearbeit noch kräftig gefördert. Doch bei Google war damit Schluss: Nur im Zusammensein, beim Austausch von Ideen mit den Kollegen, entstehe Kreativität. 

Mit dieser Meinung stand Schmidt damals ziemlich allein. HP, Sun, Intel und Cisco förderten Telearbeit weiterhin mit flexiblen Arbeitszeiten und kostenlosen Breitbandanschlüssen fürs Heimbüro. Die Unternehmen kamen so mit weniger Büroraum aus, das sparte Gebäudekosten. Und den Mitarbeitern, die sich wegen der astronomisch hohen Immobilienpreise außerhalb des Silicon Valley angesiedelt hatten, sparte es das stressige Pendeln mit dem Auto. Telearbeit lag und liegt im Trend – die US-Fluggesellschaft Jetblue etwa betreibt heute ihr Reservierungssystem ausschließlich mit Heimarbeitern. Doch nun schert auch HP-Chef Mark Hurd aus – mitten in einer Debatte über steigende Benzinpreise, Verkehrsprobleme und die steigende Umweltbelastung. Telearbeit soll bei HP wieder reduziert werden. Um die Produktivität zu steigern, sollen die Mitarbeiter der IT-Sparte künftig wieder vorrangig Büros in den Niederlassungen beziehen. Das ist kühn. Schließlich verkauft HP eine breite Palette von Produkten, die Telearbeit erst ermöglichen: Computer, Software und Videokonferenzsysteme. Auch ermuntert HP seine Unternehmenskunden weiter zur Telearbeit, in der Hoffnung, dadurch mehr Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Hurds Initiative kommt deshalb überraschend. Genauso gut käme es in Deutschland an, wenn VW oder Mercedes ihren Mitarbeitern vorschrieben, künftig nur noch mit Bus und Bahn zur Arbeit kommen, um sich für den Job zu schonen. 

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Tatsächlich belegen einige neue Studien, dass Telearbeit wegen der stärkeren Ablenkung zu Hause und dem fehlendem Kollektivdruck wenig effektiv sei. Vielleicht liegen Schmidt und Hurd ja richtig mit ihrer Kehrtwende. Für ihre Produkte werben sie damit allerdings nicht. 

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