Geheimplan„Lemon“

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Debitel » Langjährige Debitel-Mitarbeiter schüttelten den Kopf: Ein Branchenfremder, dem schon bei Siemens keine großen Sprünge gelangen, soll Vorstandschef werden und den Stuttgarter Mobilfunkanbieter nach vorn treiben? Das, so die Skeptiker, könne doch nur schief gehen. Paul Stoddens erste Aktionen schienen sämtliche Vorurteile zu bestätigen: Er ordnete den Umzug in Großraumbüros an, kam in legerer Kleidung statt mit Anzug und Krawatte zur Arbeit und betrieb die Entmachtung von Alt-Vorständen. 

Doch wenn Stodden, der den Chefposten bei Debitel im Sommer übernahm, in dieser Woche den Geschäftsbericht für das vergangene Jahr vorlegt, dürfte die Kritik erst einmal verstummen. Dem 57-Jährigen ist eine erstaunliche Weihnachtsrallye gelungen. Allein im zweiten Halbjahr konnte das Unternehmen die Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland um netto 370 000 auf 8,64 Millionen erhöhen und den Umsatz um knapp zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro steigern. 

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Für Stodden, der mit seinen Vorstandskollegen Christian Friege und Hermann Roemer sowie Personalchef Friedrich Christandl selbst in ein Großraumbüro zog, ist das aber erst der Anfang. Intensiv, aber unter strenger Geheimhaltung, beschäftigt sich eine Projektgruppe unter dem Codenamen „Lemon“ derzeit mit dem Markteinstieg als virtueller Netzbetreiber. Der Verkauf von Netzbetreiberprodukten (Modell: Service Provider) soll zwar Kerngeschäft der Stuttgarter bleiben. Die Vielfalt der drahtlosen Übertragungstechniken wie GSM, UMTS und WLAN-Hotspots soll jedoch für weitergehende, „besonders einfach zu handhabende“ (Stodden) Angebote inklusive Breitbandzugang und Internettelefonie genutzt werden. Sogar den Verkauf von schnellen DSL-Anschlüssen fürs Internet und damit die Rückkehr ins Festnetzgeschäft schließt der Debitel-Chef jetzt nicht mehr aus. 

j.berke@wiwo.de 

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