Geht Paefgen nach Stuttgart?

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DaimlerChrysler » Bei der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Mercedes-Chef Eckhard Cordes gibt es einen neuen Kandidaten: den ehemaligen Audi- und heutigen Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen. 

Im Rennen um den derzeit wohl spannendsten Chefposten in der deutschen Wirtschaft ist ein neuer Wettbewerber aufgetaucht: der ehemalige Audi-Chef Franz-Josef Paefgen, 59, derzeit Chef der britischen VW-Tochter Bentley. Paefgen, seinerzeit, wie Unternehmenskenner berichten, von VW-Konzernchef Ferdinand Piëch wegen seiner selbstbewussten Art aus Ingolstadt verdrängt, würde nach Ansicht von Branchenexperten gut zu Mercedes passen. Paefgen schaffte in seiner Zeit als Audi-Chef den Anschluss an die deutschen Topmarken BMW und Mercedes. Auch seine Bentley-Bilanz liest sich sehr erfreulich. Vor allem durch den Erfolg des sportlichen Basismodells Continental GT, das zum Großteil auf der Technik des VW-Phaeton basiert, führte Paefgen das Sorgenkind des Konzerns in die Gewinnzone. Ein Erfolg, von dem die Mitbewerber Rolls-Royce (BMW) und Maybach (Mercedes) nur träumen können. Geringe Chancen auf den Chefsessel sehen Konzerninsider unterdessen für DaimlerChrysler-Forschungs- und Technologievorstand Thomas Weber. Intern wird die Entscheidung des neuen DaimlerChrysler-Chefs Dieter Zetsche, die wichtigste Marke des Konzerns bis auf Weiteres selbst zu führen, als Absage an Weber gewertet, da dieser im Prinzip seine Hausaufgaben gemacht hat und die Führung der Marke zeitnah übernehmen könnte. Auch Mercedes-COO Rainer Schmückle gehört nach Einschätzung von Konzernkennern nicht zur ersten Wahl für den Posten des Mister Mercedes. Der ehemalige Freightliner-Chef ist zwar ein erfahrener und erfolgreicher Sanierer, sei aber, so Kollegen, noch zahlengetriebener und weniger diplomatisch als Cordes und deshalb bei vielen Daimler-Managern nur schwer vermittelbar. Eine wachsende Bedeutung könnte Schmückle allerdings zukommen, wenn sich Zetsche entscheiden sollte, die Marke nach dem Vorbild von Renault-Vorstand Carlos Ghosn über längere Zeit selbst zu führen. Auch das wird intern nicht ausgeschlossen. Dann wäre Schmückle der Mann fürs Grobe, während Zetsche den Glanz der Marke pflegen würde. Mit einer ähnlichen Kombination hat Zetsche schon bei Chrysler gute Erfahrungen gemacht. Damals spielte der heutige VW-Markenchef Wolfgang Bernhard die Rolle des Ausputzers. 

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Der Ende des Monats in Stuttgart ausscheidende Mercedes-Chef Cordes will offenbar die Branche wechseln und bei einer Investmentbank oder Private-Equity-Gesellschaft anheuern. Wie aus Branchenkreisen verlautet, soll Cordes derzeit mit allen großen Finanzinvestoren in Deutschland sprechen. Die Gespräche seien aber noch in einer sehr frühen Phase. Cordes sitzt bereits seit mehreren Jahren im Beratergremium der Investmentgesellschaft EQT. Vor einigen Jahren soll die Deutsche Bank versucht haben, ihn abzuwerben. Auch zu Goldman Sachs hat Cordes gute Drähte. Zusammen mit dem Investmentbanker Alexander Dibelius hat er seinerzeit maßgeblich die Fusion mit Chrysler organisiert. 

thomas.katzensteiner@wiwo.de,brigitte haacke 

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