Gemeinsamer Thinktank

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Hu Jintao » Bei seinem Deutschland-Besuch will Chinas Staatspräsident ein Beratergremium für die Regierungen beider Länder gründen und mehrere Großprojekte starten. 

Deutschland und China wollen einen gemeinsamen Thinktank gründen. Bei seinem Deutschland-Besuch diese Woche eröffnet Chinas Staatspräsident Hu Jintao zusammen mit Bundespräsident Horst Köhler am Freitag das Deutsch-Chinesische Dialog-forum. Ihm sollen je ein rundes Dutzend Topvertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft beider Länder angehören. Ziel des Forums ist, bilaterale Probleme frühzeitig aufzuspüren und Gespräche zwischen beiden Regierungen vorzubereiten. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftliche The-men, aber auch rechtliche, kulturelle und allgemeine gesellschaftliche Fragen werden erörtert. Die Gründungssitzung steht unter dem Motto: Wie lässt sich das Bild Deutschlands in China und das Image Chinas in Deutschland verbessern? 

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Leiter der deutschen Vertreter in dem Forum ist Siemens-Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich v. Pierer, zugleich Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft im BDI. Sein chinesischer Sozius ist der ehemalige Shanghaier Bürgermeister und derzeitige Chef des Industrieverbandes China Federation of Industrial Economics (CFIE), Xu Kuangdi. Zur chinesischen Delegation gehören unter anderem Xie Qihua, Vorstandsvorsitzende von Chinas größtem Stahlkonzern Baosteel, Wang Jiming, stellvertretender Chef des Öl-Multis Sinopec sowie Wan Gang, Präsident der berühmten Tongji-Universität in Shanghai. Wan, der exzellent Deutsch spricht, hat in Clausthal-Zellerfeld studiert, lange bei Audi gearbeitet und sitzt im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. 

Zu den deutschen Vertretern gehören neben v. Pierer unter anderem der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht, Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder, der Maschinenbau-Unternehmer Jürgen He-raeus, der den Arbeitskreis China im Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft leitet, Matthias Claussen vom Bremer Handelshaus C. Melchers, Professor Eberhard Sandschneider, Wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt und jetzige Chef der Quandt-Stiftung Jürgen Chrobog sowie WirtschaftsWoche-Chefredakteur Stefan Baron. Das Dialogforum kommt abwechselnd in Peking und Berlin zusammen. 

Während des Deutschland-Besuches unterzeichnet Hu Jintao auch einen Vertrag über die Errichtung des ersten chinesischen Kulturinstituts in Deutschland, das im nächsten Jahr neben der CDU-Parteizentrale in Berlin gebaut werden soll. Bisher gibt es im Westen nur ein chinesisches Kulturinstitut – und zwar in Paris. 

Außerdem werden mehrere Wirtschaftsabkommen unterschrieben. Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann wird gemeinsam mit der Privatbank Sal. Oppenheim den Vertrag über die 14-Prozent-Beteiligung an der Huaxia Bank im Wert von 272 Millionen Euro unterzeichnen. Siemens wird den Verkauf von 60 ICE-Zügen im Wert von 1,3 Milliarden Euro besiegeln. Außerdem vereinbart der Münchner Konzern eine Kooperation für den Bau und die Ausrüstung eines deutsch-chinesischen Freundschaftskrankenhauses in Shanghai. Das Projekt hat ein Volumen von 150 Millionen Euro. 

Von besonderer strategischer Bedeutung ist die Absichtserklärung über einen Liefervertrag zwischen dem Netzanbieter Arcor und dem chinesischen Telekomausrüster Huawei Technologies. Kommt der Auftrag zu Stande, wäre es Huawei zum ersten Mal gelungen, einen deutschen Spitzenanbieter als Kunden zu gewinnen. 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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