Archiv: Genügend Abstand

Hans Michael Gaul » Dem Vorstandsmitglied des Energiekonzerns E.On werden die größten Chancen auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bei VW eingeräumt. 

Kaum hatten sich die VW-Großaktionäre Porsche und Niedersachsen darauf geeinigt, wer künftig im Aufsichtsrat von VW sitzen soll, begann das Rennen um den Posten des Aufsichtsratschefs, den Ferdinand Piëch im Frühjahr 2007 räumt. Die Fondsgesellschaft Tweedy Browne favorisierte den Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich v. Pierer, der bereits im Kontrollgremium des Wolfsburger Autokonzerns sitzt. In Niedersachsen selbst wurde auch der norddeutsche Stahlunternehmer Jürgen Großmann als Kandidat genannt. Er soll auf der VW-Hauptversammlung im Mai in den Aufsichtsrat gewählt werden. Die größten Chancen auf Piëchs Nachfolge werden allerdings Hans Michael Gaul eingeräumt, dem Mergers- & Acquisitions-Vorstand des Energiekonzerns E.On. Als weiterer Anwärter gilt auch noch Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender des Touristikkonzerns TUI, so die Einschätzung von VW-Aufsichtsräten. 

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Allerdings, meinen Porsche nahe stehende VW-Aufsichtsräte, habe „Frenzel bei der Bahn als Aufsichtsratschef nicht neutral agiert“. Und der künftige Vorsitzende des VW-Kontrollgremiums soll neutral sein und weder einseitig für Porsche noch für das Land Niedersachsen Position beziehen. Gaul dagegen biete als Energiemanager die Gewähr dafür, die Entwicklung bei Volkswagen „objektiv und mit dem nötigen Abstand zu begleiten“. Gaul ist schon jetzt Mitglied des VW-Aufsichtsrats. 

Die Debatte um die Piëch- Nachfolge war nach dem Einstieg von Porsche bei VW im vergangenen Herbst entbrannt. Seither warf Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff als Vertreter des bis dahin größten VW-Anteilseigners dem Aufsichtsratschef Piëch einen Interessenkonflikt wegen dessen Doppelrolle als VW-Chefkontrolleur und Porsche-Miteigentümer vor. Ebenso wie die Fondsgesellschaft Tweedy Browne favorisierte zunächst auch Wulff für Piëchs Nachfolge unter anderen v. Pierer. Doch der soll abgelehnt haben. Bereits Anfang Dezember sagte er Wulff, dass er neben seinem Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens kein weiteres Amt als Chefkontrolleur in einem anderen Unternehmen anstrebe, wie die WirtschaftsWoche aus Kreisen der niedersächsischen Landesregierung erfuhr. An dieser Einstellung habe sich auch heute nichts geändert, heißt es bei Siemens. 

Auch Stahlunternehmer Großmann, sei „für den Chefposten im Kontrollgremium nicht geeignet“, sagen VW-Aufsichtsräte. Sie befürchten eine Interessenkollision, da Großmann mit seinen Produkten auch VW beliefere. 

andreas.wildhagen@wiwo.de 

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