„Genug Gas für alle“

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Alexander Medwedjew » Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Gazprom-Konzerns über seine Pläne in Westeuropa. 

Nach dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos gefordert, Moskau müsse wieder seine Zuverlässigkeit als Energielieferant beweisen. Wie wollen Sie das tun? 

Das müssen wir doch gar nicht! Es gibt doch seit über drei Jahrzehnten zuverlässige und vertragstreue Gaslieferungen aus Russland nach Deutschland. Gegenüber der Ukraine wollten wir einfach normale weltwirtschaftliche Standards durchsetzen. 

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Mit politischem Druck. 

Natürlich war die Situation von der Politik bestimmt, und darum mussten ja auch die Politiker bei der Lösung des Problems mitmachen. 

Aber da beginnt das Misstrauen gegen Gazprom in Westeuropa: bei der undurchsichtigen Verflechtung Ihres Unternehmens mit dem russischen Staat. 

Unsere Eigentümerstruktur ist doch bekannt. Der russische Staat bleibt unser Mehrheitsaktionär, auch wenn jetzt Gazprom-Aktien mit Erfolg auf den internationalen Kapitalmärkten gehandelt werden. Dementsprechend wirkt der Staat über den Aufsichtsrat an unseren strategischen Entscheidungen mit. 

Zum Beispiel? 

Politische Fragen im eigentlichen Sinn stehen in unserem Aufsichtsrat nicht auf der Tagesordnung. 

Aber lässt Ihnen der Kreml genug Freiheit, wie ein marktwirtschaftliches Unternehmen zu handeln? 

Selbstverständlich ist Gazprom in allererster Linie auf den Geschäftserfolg orientiert. Allerdings mögen uns die Politiker bisweilen drängen, mehr auf die soziale Verpflichtungen des Unternehmens zu achten. Oder auch, mehr für den Aufbau der Infrastruktur zu tun. 

Pipelines, Gasspeicher... 

Ja. Da sind manche Entscheidungen eher politisch als ökonomisch begründet. Aber mit den generell gestiegenen Gaspreisen und den entsprechenden Gewinnen wird dieser Widerspruch der Interessen hoffentlich verschwinden. 

Wie wirkt sich das Verhältnis zwischen Politik und Ökonomie auf Ihre Aktivitäten außerhalb Russlands aus? Was bedeutet das für Ihre großen Absatzmärkte – Westeuropa, China, Ostasien? 

Wir haben prinzipiell genug Gas für alle, für ungefähr 80 Jahre. Für den amerikanischen Markt werden wir das Stockman-Gasfeld in der Barentssee erschließen, für China neue Felder in Ostsibirien. Sie müssen sich keine Sorgen machen in Deutschland. 

Für uns bauen Sie ja auch die Pipeline durch die Ostsee, mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in leitender Position. Was soll Schröder eigentlich für Sie leisten? 

Wir haben als Verwaltungsrat der Nordeuropäischen Gaspipeline noch nicht gemeinsam getagt. Die Arbeiten laufen alle noch bei den drei Muttergesellschaften. Der Verwaltungsrat mit Schröder an der Spitze wird sich um strategische Dinge kümmern einschließlich der politischen Aspekte. Schröder ist einer der klügsten Leute, die sich in Wirtschaft und Politik auskennen, nicht nur in Deutschland, sondern innerhalb der ganzen Europäischen Union. Für solch ein großes Projekt wie die Pipeline brauchen wir jemanden von diesem Kaliber. 

Sie suchten also einen Prominenten mit besten Kontakten zu Politikern über Deutschland hinaus? 

Die Pipeline kommt sicher in Deutschland nicht an ihr Ende. Sie wird weitergeführt werden. 

Brauchen Sie dann weitere Partner in Europa außer den deutschen Unternehmen BASF und E.On? 

Bei einem weiteren Partner ginge es nicht um das Herkunftsland, sondern darum, was er für das Projekt einbringen kann. Etwa die Fähigkeit, das Gas weiterzutransportieren. 

Wohin? 

Da haben wir in Westeuropa interessante Länder wie England oder Frankreich. 

In Moskau behaupten einige Experten, der russische Präsident Wladimir Putin wolle nach dem Ende seiner Amtszeit auf den Posten des Gazprom-Chefs wechseln. 

Was soll denn das? Bei Gazprom hören Sie nichts von solchen Gerüchten. 

hansjakob.ginsburg@wiwo.de, 

christian schaudwet | Prag 

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