Archiv: Genuss ohne Reue

Die Hersteller von Süßwaren setzen auf dieGesundheitswelle – mit kalorienarmen, fett- und zucker-freien Leckereien. 

Nackt und mit wallendem blondem Haar räkelt sich Supermodel Heidi Klum in einer Badewanne voller Fruchtgummis – und haucht mit verführerischer Stimme: „Viele baden zum Schönerwerden ja in Milch, wo Joghurt doch viel besser ist für die Figur.“ Mit diesem TV-Spot vermarktet der Süßwarenhersteller Katjes seine fettfreien Yoghurt-Gums. 

Neben Klum wirbt der Mittelständler aus Emmerich mit Comedian Hape Kerkeling, der Bonner Konkurrent Haribo fährt seit Jahren TV-Entertainer Thomas Gottschalk auf: Wer im hart umkämpften Geschäft mit Bonbons, Brause und Butterkeksen wachsen will, muss auf seine Produkte aufmerksam machen und in Marketing investieren. Denn die namenlose Ware der großen Handelsketten setzt die Markenhersteller immer stärker unter Druck und jagt ihnen Marktanteile ab. 

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Dritte Saison. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Umsatz der deutschen Süßwarenhersteller um knapp sechs Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Für 2006 rechnet die Branche mit einem leichten Plus. „Süßwaren sind mit Ostern und Weihnachten ein Saisongeschäft. Und die Fußball-WM war für uns wie eine dritte Saison“, sagt Karsten Keunecke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). 

Viele Hersteller warben mit gezielten WM-Aktionen für ihre Produkte. So packte Ferrero seinen Riegeln Duplo und Hanuta Sammelbilder der Fußballer bei und kurbelte damit kräftig den Absatz an. Zahlen geben die Italiener nicht bekannt, doch mit dem Geschäft rund um den Fußball ziehe Ferrero eine „positive Bilanz“. 

Freilich findet die WM nur alle vier Jahre statt, daher setzen die Süßwarenhersteller langfristig auf den anhaltenden Fitness- und Gesundheitstrend: Fettarm, kalorienreduziert und zuckerfrei – mit diesen Botschaften wollen sie den Konsumenten zum süßen Genuss ohne Reue verführen. „Wir bieten Produkte, die Freude machen, aber auch einen gesunden Touch haben“, sagt etwa Axel Michael Müller-Vivil, Chef des Bonbonherstellers Vivil. So bietet das Familienunternehmen mit Vivil Fun + Energy zuckerfreie Kaubonbons mit – laut eigenen Aussagen – wertvollen Nährstoffkombinationen an. 

Zuckerfreie Küsse. Auch Katjes bietet seit diesem Jahr mit Kalle Katjes Lakritz und Fruchtgummis mit 40 Prozent weniger Zucker an. Haribo lancierte im Mai Small Kids mit 30 Prozent weniger Kalorien. Und selbst Schokoküsse gibt es inzwischen von der Grabower Süßwaren GmbH zuckerfrei. Die Küsschen, die 30 Prozent weniger Kalorien haben und seit 2005 auf dem Markt sind, seien „eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Marketingchef Matthias Dickmann. Das Unternehmen aus Mecklenburg legte Anfang des Jahres nach – mit dem ersten Bio-Schokokuss mit Rohstoffen aus rein ökologischem Anbau. 

annette.ruess@wiwo.de 

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